Drei Fragen

Statt einer Zwischenbilanz möchte ich drei Fragen in den Raum stellen. Ich freue mich auf eure Antworten, auf weitere Fragen und die sich anschließende Diskussion.

1. Konnte euch der Roman bisher die südafrikanischen Verhältnisse näher bringen oder euer Interesse für das Land wecken?

2. Offensichtlich hat es wenig Sinn, nach euren Lieblingscharakteren zu fragen. Deshalb die Frage: Hat es vielleicht System, dass Gordimer ihre Charaktere nicht gerade mit Empathie überhäuft? Ist die Distanz Ausdruck einer Desillusionierung, einer Katerstimmung nach der Euphorie der mittleren Neunziger Jahre?

3. Die Reeds schicken die eigenen Kinder auf privilegierte Schulen, aber insbesondere Steve kämpft gleichzeitig für ein gerechtes Bildungssystem. Nur ein Beispiel von vielen, wo Ideale auf die Wirklichkeit prallen. Ist dies glaubhaft oder eine Aneinanderreihung von Klischees?

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*9-99 (aus.gelesen)

fast 100 seiten, sicher ein moment, in dem kurz eine persönliche zwischenbilanz (ohne anspruch auf vollständigkeit) des buchs gezogen werden kann.

südafrika, ein thema, das für uns hier in europa nachrichtenwert hat, sonst hat es wenig praktische bedeutung. umso wichtiger/interessanter, daß uns vorgänge in diesem land nahe gebracht werden. gordimer wäre dafür prädestiniert.. wäre, weil – und damit bin ich beim buch – sie genau dies bis jetzt für mich mit diesem buch nicht schafft. mag sein, daß dies auch garnicht ihre absicht war, daß jemand wie ich garnicht zu ihrem leserspektrum gehört, bekennendermaßen gibt sie ja wenig auf das urteil anderer, so wird ihr das egal sein.

das buch fängt mit steve und jabu an, einem gemischtfarbigen, illegalem ehepaar, das im untergrund für die abschaffung der apartheid kämpft. der immorality act wurde 1985 von botha ausser kraft gesetzt, danach war diese ehe legal. zwischen 1985 und dem im letzten abschnitt liegenden problem der einschulung ihrer tochter 2004 liegen also 19 jahre…. irgendwas muss ich da doch übersehen, überlesen haben? oder ist die tochter tatsächlich erst nach über 10 jahren ehe geboren worden (wenn ich von einem einschulungsalter von 6 jahren ausgehe, wie bei uns)?

die zeitskala also. völlig willkürlich und ohne system, kaum zu durchblicken. widersprüchlich. sprünge, die kaum nachzuvollziehen sind. nur die richtung ist klar. immerhin.

die personen: blutleere zombies, ohne empathischen wert. who cares about steve, jabu, andrew (für dessen tod inclusive trauer und beerdigung reichen 22 zeilen) und pauline? einzig baba wäre interessant, weil er wirklich stark war, aber der wird ignoriert. was ist eigentlich in den 19 jahren (oder auch 15 oder auch…) passiert, außer daß steve immer noch seine rolle in der gesellschaft sucht…

überhaupt ist gordimer wieder voll ins weiße milieu abgetaucht, jabu ist immer die einzige schwarze. na ja, die randalierenden studenten dann auch noch….

ich bin kein literaturwissenschaftler, literarische kategorien sind mir fremd. ich beurteile das buch sehr subjektiv als leser, und da fällt es bei mir durch. ein häufig gestammelt wirkender text, ohne fluss und inneren zusammenhalt, sprunghaft und erratisch. wie soll ich mich da heimisch fühlen? soll ich überhaupt? und was von dieser holprigen sprache muss ich der übersetzung anlasten, was der autorin?

das projekt: schon nach wenigen tagen wurden änderungsvorschläge gemacht, weil zumindest einige „paten“ nicht zufrieden waren, geändert wurde leider nichts, auch nicht darüber diskutiert (abgesehen davon, daß es auch keine vernünftige plattform für einen internen informationsaustausch gibt).

viel luft nach oben.

das buch ist noch nicht zu ende.
das lesen muss weiter gehen.