*383-465

Nach der großen Wahlkampfschlacht kommt es nun endlich zur Wahl selbst. Steve und Jabu stellen sich mit ihren Entscheidungen gegen die Vorstadtfreunde. Steve geht gar nicht wählen und Jabu wählt die Abtrünnigen. Was bringt es, wenn auch in den anderen Parteien Korruption an der Tagesordnung ist?

Australien rückt immer näher und die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Man überlegt, was wird mitgenommen, wie und an wen wird das Haus verkauft und man erinnert sich an den letztem Umzug – als es damals in die Vorstadt ging. Ein Ereignis überschattet die Vorkehrungen: Während einen Wochenendausfluges wird in ihr Haus eingebrochen und dabei auch Wethu verletzt. Der Schock sitzt tief. Langsam bekomme ich das Gefühl, dass es mit der Abreise nicht klappen wird. Nicht etwa weil einer der beiden nein sagt, sondern aufgrund einer dritten unbekannten Größe. Wir werden sehen.

Die Abschnitte lesen sich wieder besser und mein Interesse an Jabu und Seve wächst. Sie sind für mich plötzlich nahbarer geworden.

Ich bin ein wenig in Verzug, so dass sicher als Letzte meine Bilanz zu Gordimer ziehen werde. ABER: Immerhin bin ich auf der Zielgeraden. Hatte so manchen Tag an dem ich das Buch einfach nur wegstellen wollte.

 

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*425-465 (aus.gelesen)

Jabu bearbeitet einen Fall von Vergewaltigung bei einem 15 jährigen Mädchen und muss dabei immer an Sindi denken, die ja in diesem Alter ist.

Im Land häufen sich immer mehr die sozial bedingten Unruhen, weil die Grundversorgung (Müllabfuhr, Wasser, Kanal etc pp) nicht gesichert ist.

Der Verkauf des Hauses in der Vorstadt, der fast perfekt schien, ist geplatzt. Die Reeds packen ihre Sachen, sortieren, wählen aus… das alte Leben wird abgewickelt……

Ich beschließe diesen Abschnitt mit dem Zitat von S.l 459, in dem eine Art Resumee und Rechtfertigung gegeben wird:

Die Täuschung, die Verstellung; damit kann man nicht leben. Wozu sind ein Assistenzprofessor und eine Anwältin gut, wenn Bildung die Summe der Schulen ist, die den Nachwuchs an Studenten produzieren, denen das für ihr Studium erforderliche Verständnisniveau fehlt, und wenn das Rechtswesen Korruptionsvorwürfen gegen schuldige Genossen in hohen Regierungsämtern weiträumig ausweicht. Die Kinder vorzuschieben, wenn Entscheidungen anstehen, ist beliebtes Pharisäertum. Aber Sindiswa und Gary Elias wachsen in alledem, zu alledem heran! Kinder, die vielleicht gar nicht gezeugt worden wären, hätten ihre Eltern nicht fest an eine Gegenwart geglaubt, die nicht eingetreten ist. Keine Spur von Gleichheit in der erkämpften Schwarz-Weiß-Verschmelzung im Land, dem ungleichsten der Welt.

Trügerische Ruhe

Die Entscheidung Australien ist getroffen, die ersten Koffer werden gepackt, es wird aussortiert: Juristische Bücher werden verschenkt, während Jabus Fön es in den Container nach Australien schafft. Prioritäten ändern sich. Es scheint, als beginne nun das große Warten. Die Probleme des Landes werden weiter diskutiert, es scheint sogar, sie kämen näher, ohne aber wirklich in die heile Welt der Vorstadt einzudringen.

Statt dessen müssen praktische Entscheidungen gefällt werden: Wie sollen Jabu und Steve Wethu den Umzug nach Australien beibringen, ohne dass sie sich abgeschoben fühlt? Indem sie ihr lieber gar nicht sagen und sie bereits Wochen vor Abreise nach kwaZulu zurückbringt? Auch mit Jabus Vater wird in den letzten Monaten zuhause gemieden. Nur keine anrührenden Abschiedsszenen. Lieber besucht man endlich einmal den Krüger Nationalpark. Doch diese scheinbare Ruhe endet so plötzlich, wie einst ein Motorrad die Ruhe auf der Straße zerfetzte, „wie wenn ein Blatt Papier jäh zerrissen wird.“ (S. 14): Ins Haus von Steve und Jabu wird eingebrochen, Wethu ist als einzige anwesend, und wird brutal zusammengeschlagen. Wo war der Wachdienst? Die sichere Welt der Vorstadt existiert nicht mehr.

Abschiedsvorbereitung

Bis auf die endlich stattgefundene Aussprache zwischen Jabu und Baba, die doch wieder in Schweigen mündete, haben mich diese vorletzten Kapitel weder überrascht noch beeindruckt.

Die gesellschaftlichen Mißstände werden nochmals variiert, darunter besonders das Thema Vergewaltigung. Jabus diesbezügliche Angst um Sindi hörten wir bereits zu Beginn des Romans. Informationen über Australien müssen die Leser nun zwar durch die Augen Jabus, aber dennoch ein weiteres Mal lesen. Auch die Initiations-Affäre der weißen Studenten wird abermals referiert.

Eine „altgriechische Statue der Antigone“ ist mir unbekannt, aber das ist wie die Medea-Medusa wohl ein eher kollaterales Problem.

Wichtiger ist die Frage, ob Südafrika tatsächlich „das wirtschaftlich ungleichste (sic!) Land der Welt“ ist.

S. 425-465 (Wortgalerie)

Jabu ist im Vergewaltigungsfall eines 15-jährigen Mädchens involviert. Das Opfer sprechen zu lassen, einen Einblick in Jabus Arbeit zu bekommen und der Perspektivwechsel haben mir während des Zuma-Vergewaltigungsprozesses gefehlt und werden hier komplettiert.

Jabus Vater akzeptiert die Entscheidung für Australien, nein, vielmehr ist es „ihres Babas letzte Erlaubnis für die Zukunft […] es ist Babas ungesagter Segen für Down Under.“ (S. 451)

Das Haus in Glengrove Place wird verkauft werden, sie überlegen, was sie mitnehmen oder zurücklassen. Steve und Jabu werden bei der Suche nach ihren Nachfolgern an der Universität bzw. im Justizzentrum miteinbezogen.

Während eines Ausflugs in den Krüger-Nationalpark bleibt Wethu im Haus der Reeds und wird von zwei Gestalten angegriffen, die vermutlich einiges aus dem Haus stehlen (oder sogar verwüsten?) werden… Ein Vorfall, der die Entscheidung für Australien noch einmal bestätigt?

S. 425 – 465

Dieser Abschnitt enthält wieder sehr viel Themen, aber ich habe ein bisschen den Eindruck, dass bei vielen der Themen ein Stück weit „die Luft raus ist“. Die Entscheidung für Australien scheint endgültig getroffen.

Jabu wird zu Beginn des Abschnitts in einem Vergewaltigungsfall an eine Kanzlei ausgeliehen. Ich habe bei vielen Handlungssträngen in diesem Buch das Gefühl, dass sie als Folie genutzt werden, um über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Südafrika zu sprechen. Das Opfer der Vergewaltigung ist noch fast ein Kind und erinnert Jabu daran, dass dies auch Sindi hätte passieren können.

Die Situation in Südafrika scheint sich in diesem Abschnitt immer dramatischer zu entwickeln: mittlerweile gibt es einen Ärztestreik und bei Protesten wurden zwei Menschen getötet. Auch die Müllabfuhr streikt, genauso wie die Telekommunikationsbranche. Auch Züge fahren nicht mehr oder die Züge, die fahren sind so überfüllt, dass Pendler herausstürzen. Auch die Postämter beginnen damit zu streiken. Das öffentliche Leben in Südafrika scheint zu dieser Zeit immer mehr zum Stillstand zu kommen.

Ein weiteres Thema ist der Verkauf des Hauses in der Vorstadt. Ein potentieller Mieter springt ab und Jabu und Steve sind sich noch nicht sicher, wie sie weiter verfahren wollen.

Obwohl Steve im vorherigen Abschnitt noch leichtes Unwohlsein bei seiner Entscheidung auszuwandern gespürt hat, scheint er mittlerweile davon überzeugt zu sein, dass auch Jabu einverstanden ist mit Australien: „Er hat sie nicht gegen irgendeinen Instinkt in ihr – schließlich ist sie Afrikanerin, wie er es letztlich nie sein kann – gezwungen, Einwanderin in fremdem Land zu werden.“

Der letzte Teil des Abschnitts verspricht noch einmal Aufregung und Spannung: es geht darum, was mit Wethu geschieht, wenn Familie Reed nach Australien auswandert. Sie wird nicht als Dienstbotin angesehen, sondern als Familienmitglied und doch wird man sie vor der Ausreise aussortieren müssen und in ihre Heimatregion zurückschicken. Während Steve, Jabu und die Kinder einen Ausflug in den Krüger-Nationalpark machen, um vor der Ausreise noch einmal „ihr Afrika“ kennenzulernen, bleibt Wethu allein zu Hause und wird von zwei jungen Männern überfallen. Kurz vor Ende des Buches erlebe ich eine Premiere: der Abschnitt endet so spannend, dass ich sofort umblättere und weiterlesen muss. 🙂