*305-345 (aus.gelesen)

Gordimer konzentiert sich jetzt immer mehr auf drei Themenstränge:

(i) die Pläne von Reeds, nach Australien auszuwandern
(ii) die Person Zumas, die zunehmend auch die Einheit der Genossen spaltet
(iii) die Zustände in Südafrika, vor allem dem Bildungssektor

aus einem mir nicht erfindlichen Grund ist Gordimer auf die Idee verfallen, den Delphin Marc zu heilen: er hat sich eines besseren (?) besonnen und sich von einer Frau verführen lassen, die zu heiraten er nicht zögert. Das erscheint mir schon ein seltsames Szenario, man könnte es so interpretieren, als sähe Gordimer Homosexualität tatsächlich als heilbar an, wenn nur die richtige Frau ins Spiel kommt. Das will ich ihr nicht unterstellen, aber was diese Episode für einen Sinn hat in der Geschichte, weiß ich nicht.

Die Person Zuma polarisiert zunehmend. Jabu als Juristin hat Einblicke hinter die Kulissen und sieht ihn kritisch, andere wie ihr Vater unterstützen ihn bedingungslos. Die nächsten Wahlen stehen an….

Den Reeds wird der Gedanke an Australien immer vertrauter, Steve führt schon konkrete Verhandlungen mit Universitäten. Die Geschichte der Aborigines, bzw. deren Behandlung durch die britischen Kolonisatoren bringt sie dazu, Parallelen zu ziehen zu südafrikanischen Verhältnissen. Daß Ryan, Steves Neffe, in England bleibt, steht jetzt auch fest.

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*305-382 (glasperlenspiel13)

Und das Leben geht weiter…

Delphine werden hetero und heiraten. Zuma verstrickt sich immer weiter in Korruption – „Das ist das Ergebnis der Jahre im Gefägnis, im Exil, dafür sind Genossen im Buschkampf gefallen.“ – Das Bildungssystem steht weiterhin am Pranger. AUSTRALIEN wird immer konkreter. KwaZula einst sicherer Hafen wird nun, wenn möglich, gemieden. Wieder AUSTRALIEN. Politische Scharmützel. Wahlen. Zuma. Noch mal AUSTRALIEN, Wahlkampf usw.

Ich benötige all meine Konzentration, um in diesem politischen Wirrwarr den Überblick zu behalten, was mir letztendlich kaum gelingt. Ich gestehe, dass ich mich gerade die letzten Absätze ein wenig gequält habe. So ist auch meine gedankliche Ausbeute bzw. dieser Beitrag nicht sonderlich umfangreich. Das Ende naht und damit stellt sich mir langsam die Frage, was ich aus diesem Text von Gordimer mitnehmen werde…..

S. 346 – 382

Politische Themen stehen in diesen Abschnitten weiter im Mittelpunkt. Ich muss mich beim Lesen sehr stark konzentrieren, um alles halbwegs verstehen zu können: COPE, ANC, COSATU. Manchmal schwirrt mir der Kopf vor lauter Abkürzungen.

Die Studenten, die die schwarze Putztruppe gedemütigt haben, werden doch noch angeklagt und vor Gericht gestellt. Auch an Garys Schule kommt es zu gewalttätigen Übergegriffen. Die Angst der Eltern Gary könnte ein Opfer dieser werden ist groß, noch größer scheint jedoch die Furcht davor zu sein, er könnte selbst zum Täter werden.

Die Entscheidung für die Auswanderung scheint mittlerweile getroffen zu sein, auch wenn die Qualifikation von Jabu für Australien nicht ausreicht. Sie muss sich nachqualifizieren, was bei Steve jedoch nur für ein hauchdünnes Unbehagen sorgt: „Sie könnte ihre Fortbildung absolvieren, während sie bereits als sein Anhängsel im Land lebt.“ Was mich bereits die ganze zeit über verwundert ist, dass Jabu und Steve mit ihren Kindern nicht wirklich über ihre Auswanderungspläne sprechen. Die Entscheidung für die Schule in Australien wird über deren Köpfe hinweg getroffen und Steve entscheidet sich für eine gemischte Schule. Gary würde lieber eine Jungenschule besuchen.

Jabu weigert sich in ihr Heimatdorf zu fahren und schickt stattdessen Steve, warum habe ich nicht ganz verstanden.

Außenseiter

Die Probleme des Landes, vorgetragen durch die subjektiven Meinungen einer Vorstadt-Clique, die zum Großteil für ein demokratisches Südafrika gekämpft hat; Politik im Spiegel vielschichtiger privater Errungenschaften und Hoffnungen, Enttäuschungen und Kämpfe: Diese Klammer, die den Roman bisher zusammengehalten hat, präsentiert sich nun, da die Auswanderung von Steve mit Jabu, Sindiswa und Gary Elias so gut wie beschlossene Sache ist, noch einmal in einem gänzlich anderen Licht: Die Reeds sind plötzlich außen vor, ihre Perspektive nähert sich jener von Außenstehenden, die sich zwar für das Land Südafrika interessieren, es aber nicht mehr mit der Entschlossenheit früherer Tage verändern wollen. Oder zwar noch wollen, aber nicht mehr wirklich können/dürfen, weil ihre Entscheidung zwar nie von den Freunden kritisiert wurde, ihre Entscheidung aber ein Authentizitäts-Defizit mit sich bringt.

Der Blick auf Ereignisse scheint mir mitunter gelassener, weniger kämpferisch, mitunter einfach desillusioniert. Gleichzeitig stellt sich gerade bei Steve in Momenten eine gewisse Lockerheit ein, die ihm bislang völlig abgegangen war. Wohl noch nie konnte Steve etwa derart unbefangen bei Jabus Eltern sein wie jetzt, da fast feststeht, dass sie das Land verlassen werden. Einerseits findet also eine Art Entspannung statt, andererseits wächst das Bewusstsein, dass sie nicht das Recht haben, weiter ein Land zu kritisieren, dem sie den Rücken kehren wollen.

Interessant scheint mir in diesem Zusammenhang vor allem die Szene auf der Kundgebung. Steve entgegnet Peter, der sich über die neuen digitalen Protestformen der Jugend mokiert: „– Also müssen wir zum AK greifen, um für freie und faire Wahlen zu kämpfen?“

Er reagiert, wie er immer reagiert hat, als Genosse, der ohne Scheu seine Meinung zum Besten gibt. Allerdings merkt er an Isas Reaktion (und diese Reaktion entgeht ihm nicht), dass er gerade dieses Recht verwirkt hat. Er ist nicht mehr Genosse, es geht ihn nichts mehr an und deshalb wird ihm auch sein Urteil aberkannt. Er ist schon fast nicht mehr im Land: Was gehen Steve und Jabu die Hoffnungen jetzt noch an, die mit dieser Wahl verbunden sind. Aus Isas Sicht könnte sich die Situation ja in etwa so darstellen: Persönlich ist es den Reeds bisher ja ganz gut ergangen in der Post-Apartheid. Warum genau geben sie jetzt eigentlich auf? Der einzige aus der Vorstadt, dem die Probleme des Landes fast das Leben gekostet hätte, ist Jake, Isas Mann, und der denkt nicht daran, dieses Land zu verlassen.

Da Gordimer im Roman das Urteil über Verhaltensweisen dem Leser überlässt, finde ich folgende Auskunft, die ich leider nur über eine indirekte Quelle habe,  ziemlich aufschlussreich: laut Darryl Whetter, Dichter und Literaturdozent, kritisierte Gordimer J.M. Coetzee, als dieser vor nunmehr 10 Jahren nach, genau, Australien emigrierte.

Zum Thema „Unrecht herrscht überall„: Ich habe mich gefragt, warum Steve die Info-Seiten über Australien, bei dem das Land in puncto Umgang mit seiner indigenen Bevölkerung ja nicht sonderlich gut weg kam, unbedingt sofort mit Jabu teilen wollte. Wie wäre dieser Satz zu interpretieren: „Es ist kein anderes Land, wenn man Aborigine ist, dort drüben.“ Ein erstes Heimatgefühl, weil die indigenen Bevölkerungsgruppen in beiden Ländern auf eine Geschichte ähnlich grausamer Geschichte zurückblicken? Oder ändert der Versöhnungsakt, der in Australien stattgefunden hat, während er in Südafrika aufblieb, alles?

Unrecht herrscht überall

Die wichtigste Erkenntnis dieses Abschnitts lautet auch in anderen Ländern gibt es Bevölkerungsgruppen, die unterprivilegiert sind, verelenden und verfolgt werden, in Steves Urspungsheimat England wie in der zukünftigen Heimat Australien.

Jabu zeigt mit ihrer Kleidung Nationalbewusstsein, sie fühlt sich nach wie vor verantwortlich für das Schicksal ihrer Brüder und Schwestern und auch Steve zeigt kämpferisches Engagement auf der Veranstaltung von COPE.

Zu den klandestinen privaten Details dieses Abschnitt haben meine Vorrednerinnen schon das Wichtigste gesagt.

S. 306 – 345

Es tritt das ein, was ich bereits in weiser Voraussicht prophezeit hatte: Marc kehrt den Delphinen den Rücken und wendet sich den Frauen zu. Vierzig Seiten später – typisch für Frau Gordimers Eiltempo – ist Marc bereits verheiratet. Nun befingert er seine Frau beim Tanzen und nicht mehr seine Liebhaber. Hinter vorgehaltener Hand wird vermutet, Isa habe ihn bekehrt. Um das Thema Initiation wieder aufzugreifen, könnte man auch sagen, sie habe ihn initiiert. Erstaunt war ich wieder einmal über die Gedanken, die sich Steve zu diesem Thema macht:

„Warum sind wir Heteros so froh darüber, ist er eine Trophäe für uns, haben wir etwa immer noch eine heimliche, anachronistische Verachtung für das dritte Geschlecht, und jede Bekehrung erfüllt uns mit selbstgerechtem Triumph, weil die unsrige die einzige Art ist zu leben, zu sein? -„

Die politische Situation wird in kleinen Schlaglichtern weiter thematisiert, aber es fehlte mir die Zeit, mich intensiver damit auseinanderzusetzen. Jacob Zuma steht erneut vor Gericht, doch die Korruptionsvorwürfe gegen ihn werden fallen gelassen.

Auch die bildungspolitische Situation wird thematisiert: der Erfolg, die Zahl schwarzer Studenten verdoppeln zu können ist mit gemischten Gefühlen verbunden: „[…] wird das Gerücht laut, dass unsere Universitäten ihre weltweite Akkreditierung verlieren werden, weil hier Studenten ohne angemessene Qualifikation immatrikuliert werden.“

Die Auswanderungspläne von Jabu und Steve erhärten sich, auch wenn immer noch ungeklärt ist, welche Perspektiven für Jabu mit einer Auswanderung verbunden wären. Die Szenen bei dem gemeinsam besuchten Seminar empfand ich als befremdlich: Jabu trägt eine „afrikanische Vielfalt“ und wird als „echt schwarze Ehefrau“ bezeichnet. Sie ist die einzige Schwarze bei der Veranstaltung und wird von den anderen gemustert: „wer will schon beobachtet werden, wie er sein Geburtsrecht aufgibt.“ Das habe ich nicht verstanden, weil doch alle die dort saßen höchstwahrscheinlich in Südafrika geboren worden sind.

Sprachlich gab es erneut einige Seltsamheiten, im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem die umständliche Formulierung „die Jonathan-und-Brenda-Tochter Chantal“.

S. 305-345 (Wortgalerie)

Es tritt tatsächlich ein, was Buzz Aldrin vor kurzem scherzhaft prophezeit hat: Marc, der Delphin, wird abtrünnig und will eine Frau heiraten. Jabu vermutet, dass Isa ihn damals geheilt zu haben scheint…

Australien wird konkreter, Bewerbung werden verschickt, es klingt, als seien sich die beiden sehr sicher:

„Ein Zuhause ist schließlich verlegbar.“ (S.327)
„Was gehen Steve und Jabu die Hoffnungen jetzt noch an, die mit dieser Wahl verbunden sind.“ (S. 345)