*132-187 (glasperlenspiel13)

Ich habe mir mal die Freiheit genommen und mehrere Abschnitte am Stück, ohne jeglichen Beitrag dazu, gelesen. Es tat gut, nicht jeden Satz zu hinterfragen auch mal einen Absatz zu überspringen, wenn er partout nicht zu verstehen war und ich habe für mich ein schönes Bild gefunden. Nelson Mandela hat sein Südafrika als Regenbogennation beschrieben und so sehe ich auch langsam das Buch. Viele verschiedene Themen werden angeschnitten (Religion, Sexualität, Bildung, Korruption, Familien, Untergrundkampf, Rassendiskriminierung, Exil, Gewalt) und in regelmäßigen Abständen wiederholt, hinterfragt und anhand von Jabus und Steves sozialem Netz dargestellt. Ich sehe das nicht mal negativ, denn so ist zum größten Teil die Realität. Auch an Gordimers Stil habe ich mich langsam gewöhnt. Ich erwarte nicht mehr so viel von ihren Charakteren, so dass ich hin und wieder überrascht bin, wenn wir doch etwas hinter den Vorhang schauen dürfen.

Eines der stärksten Motive der letzten Seiten war: die Konsequenzen der Freiheit. Darunter fällt die angesprochene Korruption, der Waffenhandel der neuen Regierung, der Überfall auf Jake und das neue Bildungssystem, mit dem Jake tagtäglich konfrontiert wird.

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Stiertöter-Identität

Dem knappen Bericht über Zumas Gerichtsverhandlung folgen Gedanken zur identitätsstiftenden Kraft der Ehe, an die Ausführungen zur beruflichen Identität Steves anknüpfen. Leider nicht ohne abermals an Steves Bildungsstationen zu erinnern.

Die Erwähnung des ebenfalls identitätsbildenden Mannbarkeitsrituals, durch das Baba und Zuma aneinander gebunden sind, finde ich interessant. Zum einen hat es mich an den guten alten Mithraskult und die geheime Verschwiegenheit seiner Adepten erinnert. Zum anderen frage ich mich, wie sich das mit dem methodistischen Glauben vereinbaren lässt, Synkretismus hin oder her. Als Baba noch kein Baba war, war er immerhin Sohn eines Methodistenpfarrers.

S. 161-164 (Wortgalerie)

Mit den Themen- und Gedankensprüngen geht es mir ähnlich wie den anderen. Bereits im vorangegangen Abschnitt hat mich das Thema zu Zuma interessiert, doch anstatt mehr aus dem Gerichtssaal oder dem Kreuzverhör zu erfahren, steht in einem Satz der Freispruch und im nächsten Absatz geht es um die Ehe.

S. 161 – 164

Ein erneut kurzer Abschnitt, in dem aber einige Themen angerissen werden. Jabu nimmt als Zuschauerin am Vergewaltigungsprozess gegen Jacob Zuma teil. Vor dem Gerichtsgebäude hat sich eine protestierende Gruppe zusammengeschlossen – eine Gruppe, die wohlgemerkt gegen die Frau protestiert („Verbrennt die Schlampe!“) und nicht gegen den mutmaßlichen Täter. Die Gruppe besteht überwiegend aus schwarzen Frauen.

Die Beschreibung des Prozesses ist erstaunlich, auch wenn sie nur wenige Worte umfasst. Die provokant spärliche Bekleidung ist bei mir hängen geblieben, genauso wie der Begriff Kwezi, der Morgenstern.

Dieser Szene schließen sich einige philosophische Gedanken über die Ehe an, die fallengelassen werden, um den Fokus erneut auf Steve zu richten und dessen Arbeit an der Universität. Nadine Gordimer reißt Themen an, öffnet Gedankenstränge und lässt diese dann doch immer wieder im Nichts verlaufen. Das gefällt mir immer weniger.

Schande und Verrat?

Jabu verlässt über das Wochenende die Kernfamilie in Richtung kwaZulu, um mit ihrem Vater über den zuletzt ausgeklammerten Jacob Zuma zu sprechen. Zu Beginn des Kapitels war die empörte Jabu beim Freispruch Zumas vom Vorwurf der Vergewaltigung anwesend. Ihr Vater ist mit Zuma aufgewachsen, zusammen sind sie durch Töten eines Stiers mit bloßen Händen ins Mannesalter eingeführt worden

Von einer vermeintlichen Vater-Tochter-Identität ausgehend, meint Jabu, sie müsse ihren Vater im Moment des Verrats am Volk der Zulu (so empfindet sie Zumas Verhalten)  durch ihre Anwesenheit unterstützen. Doch wie wird die Begegnung tatsächlich verlaufen? Aussprache, Konfrontation, Trost? Schnell weiterlesen…

Bestürzung und Ernüchterung

Wieder ein Abschnitt als Gemischtwarenladen:

  • Jabu nimmt als Zuschauerin am Vergewaltigungsprozess gegen Jacob Zuma teil und erlebt die von seinen politischen Anhängern inszenierten Unruhen vor dem Gerichtssaal, bei denen gefordert wird, die junge Frau, die Zuma angezeigt hat, zu verbrennen. Natürlich vermuten die Anhänger Zumas hinter der Anzeige eine politisch motivierte Intrige gegen ihr Idol.
  • Jabu und Steve scheinen wenigstens in ihrer Ehe eine Ressource gegen „politische Bestürzung“ (S. 162) und „politische Ernüchterung“ (S. 163) zu finden.
  • Steve organisiert fakultätsübergreifende Vorträge für die Teilnehmer der universitären Aufbaukurse. Dabei wird ein Vortrag über Frank Wilczek hervorgehoben, was angesichts des gerade zuvor angesprochenen Themas Ehe nicht unwitzig ist: Eines der wichtigsten Phänomene zu denen Wilczek geforscht hat, ist die sogenannte Asymptotische Freiheit der Starken Wechselwirkung. Sehr verkürzt gesagt, beschreibt die Asymptotische Freiheit, dass die Starke Wechselwirkung zwischen den Quarks in einem Elementarteilchen je größer ist, je weiter die Quarks eines Elementarteilchens voneinander entfernt sind, und umso schwächer, je näher sie beieinander sind; anders gesagt: Je näher die Quarks einander sind, desto größere Freiheit genießen sie. Kein schlechtes Bild der Funktion der Ehe für Jabu und Steve. Wenigstens ein Witz, den ich mal verstanden habe!
  • Jabu plant, ihren Vater zu besuchen, den eine gemeinsame Herkunft mit Jacob Zuma verbindet. Sie weiß, dass ihr Vater unter der Beschädigung von Zumas Ehre und Ansehen leidet.