*132-187 (glasperlenspiel13)

Ich habe mir mal die Freiheit genommen und mehrere Abschnitte am Stück, ohne jeglichen Beitrag dazu, gelesen. Es tat gut, nicht jeden Satz zu hinterfragen auch mal einen Absatz zu überspringen, wenn er partout nicht zu verstehen war und ich habe für mich ein schönes Bild gefunden. Nelson Mandela hat sein Südafrika als Regenbogennation beschrieben und so sehe ich auch langsam das Buch. Viele verschiedene Themen werden angeschnitten (Religion, Sexualität, Bildung, Korruption, Familien, Untergrundkampf, Rassendiskriminierung, Exil, Gewalt) und in regelmäßigen Abständen wiederholt, hinterfragt und anhand von Jabus und Steves sozialem Netz dargestellt. Ich sehe das nicht mal negativ, denn so ist zum größten Teil die Realität. Auch an Gordimers Stil habe ich mich langsam gewöhnt. Ich erwarte nicht mehr so viel von ihren Charakteren, so dass ich hin und wieder überrascht bin, wenn wir doch etwas hinter den Vorhang schauen dürfen.

Eines der stärksten Motive der letzten Seiten war: die Konsequenzen der Freiheit. Darunter fällt die angesprochene Korruption, der Waffenhandel der neuen Regierung, der Überfall auf Jake und das neue Bildungssystem, mit dem Jake tagtäglich konfrontiert wird.

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S. 132-156 (Wortgalerie)

Es passiert nicht viel, die Handlung verläuft gleichförmig. Der Erzähler umkreist immer wieder dieselben Themen und springt zwischen ihnen hin und her: Karriere, Familie, Homosexualität und Politik. In Nebensätzen erfahren wir z.B. dass Gary Elias mittlerweile ruhiger geworden ist und noch immer gerne Zeit mit seinem Großvater verbringt.

Ich habe drei Sätze gefunden, die mir gut gefallen, und durchaus die Qualitäten eines Aphorismus haben:
„Was ist Liebe? Das erfährt man erst unterwegs. Es ist nicht das, was einen am Anfang überwältigt hat.“ (S. 141).

S. 139 – 146

Vielleicht habe ich im Moment nicht die nötige Ruhe für die Sprache von Nadine Gordimer, aber es fiel mir schwer, mich auf diesen Abschnitt zu konzentrieren. Die Handlung springt zwischen unterschiedlichen Themen hin und her: hängengeblieben ist Jabus Arbeit, das Thema Bildung und der Theaterabend, bei dem ein Stück eines ‚Delphins‘ – Marc – aufgeführt wird. Jabu wird erstaunlicherweise dank des Theaterstückes doch langsam aber sicher klar, mit vielen Vorurteilen sie eigentlich lebt.

Diese fast schon nebenbei gebrauchte Bezeichnung ‚Delphine‘ für schwule Männer ist etwas, was mich mittlerweile wirklich stört. Ich kann es nicht oft genug wiederholen.

Ich stolpere auch immer wieder über unnötig komplizierte Sätze, die ich manchmal mehrmals lesen muss, um sie verstehen zu können: „In der Partnerschaft der Ideale Liebe, sexuelle Erfüllung und Zukunftspfand Kinder, die das Mysterium namens Ehe ist, ist die Bildung Steves Abteilung.“

Ausgesprochenes, Unausgesprochenes

Während sich Steve und Jabu schwer tun, den Kauf eines Hauses mit ihrem Gewissen zu rechtfertigen, müssen sie erfahren, dass gerade jene Helden des Kampfes, die es in die wichtigsten Positionen des Landes geschafft haben, namentlich erwähnt wird der künftige Präsident Jacob Zuma, sich an Waffengeschäften bereichert haben.

Das Thema beherrscht die Gespräche der Vorstadt, vor allem Jabu empört sich außerordentlich. Als sie Gary Elias allerdings für die Osterferien nach  KwaZulu bringt, verhindern äußerliche Umstände, dass sie mit ihrem Vater über die Affäre spricht. Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie nah Jabu ihrem Vater steht und welche zentrale Rolle er für ihr Wertesystem ist: „ich habe nicht gefragt. Meinen Vater. Was er davon hält. Der Zulu-Bruder war einer der alten Freiheitskämpfer draußen im Feld, einer der Besten, Mbeki nahestehend, und er hat seine Jahre auf Robben Island abgesessen. Was das bedeutet. in der Gegenwart.“ (S. 138)

Vgl. zum Begriff Ubuntu, der in die Verfassung Südafrikas eingeflossen ist, ein Interview mit dem Verfassungsrichter und ehemaligen Aktivisten Albie Sachs: „Ich bin ein Mensch, weil du ein Mensch bist, meine Menschlichkeit ist nicht vom Verständnis für deine Menschlichkeit zu trennen.“ (Seine Einschätzung zu Zuma ist, zumal im Vergleich mit der Vorstadt-Crew, bemerkenswert moderat.)

Dieser Ubuntu-Gedanke, dass zum eigenen Menschsein immer auch der andere Mensch gehört, verbietet Jabu, sich mit dem fast schon zwangsläufig erscheinenden Gang von Revolutionen („warum haben wir erwartet, wir seien anders“) abzufinden: „Wir müssen doch aber erwarten – wir müssen anders sein!“

S. 132 – 138 (Bibliophilins Notizen)

* Korruption * Waffenhandel * Schmiergelder * Politik * Gary wird zu seinem Großvater gebracht, bei dem er sich wohl fühlt * Sindiswa fühlt sich dafür mit ihren Freuden am wohlsten, was mich überhaupt nicht wundert. *

„Die beste Zeit ist jetzt.“ Ja, das wissen wir bereits.

S. 132 – 138

Es geht um das, was Ubuntu ausgezeichnet hat und was mittlerweile verloren gegangen ist. Verloren gegangen aufgrund der Politik, aufgrund von Schmiergeldern und Machtaffären.

Jabu bringt ihren Sohn Gary nach KwaZulu, wo er mit ihrem Vater die Osterferien verbringen soll. Sindiswa ist in einem Alter, in dem sie sich immer stärker von der Familie entfernt – erstaunlich, wie schnell das gegangen ist. Gary ist noch erreichbarer.

Der Abschnitt hat nicht viel Spannendes zu bieten. Unterschlagen möchte ich aber natürlich nicht, dass erneut Delphine und Schwule erwähnt worden sind.

Ubuntu

Zwischen Vorteilsnahme im Kleinen wie im Großen geht der Gedanke der gleichberechtigten Gemeinschaft, Ubuntu, verloren.

Gordimer formuliert dies in der ihr eigenen Art, „Beim Kompromiss mit dem angestrebten Ideal, das sich als nicht existierend erwies, sind Prinzipien so unpraktisch.“ (S.133)

Ihre Interviews über Korruption in Südafrika sind spannender als dieses Kapitel.