*110-119 (aus.gelesen) überarbeitet

außer spesen nichts gewesen: zwar bekommen steve und seine kollegen endlich einen termin beim minister, werden aber (wie wahrscheinlich überall auf der welt, insofern also normalisierung der verhältnisse) mit warmen worten abgespeist und mit dem hinweis, daß kein geld da ist… die reform erschöpft sich im vokabular: raider hieß früher twix und aus schülern werden lernende …. willkommen in der nüchternen wirklichkeit der realpolitik.

im zweiten teil des abschnitts sind wir endlich wieder beim thema: fröhliches zusammensein im delphinarium, verwunderung über deren normalität und weibliche intimgeständnisse bzgl. der nutzung der hinteren körperöffnung für andere als ausscheidungszwecke.

hoffentlich haben wir das thema bald durch.

obwohl es nicht zum scherzen ist:

SpON 2011: Jagd auf Homosexuelle in Südafrika: Gefoltert, vergewaltigt, erschlagen
afrika süd, 2008: Homosexualität in Südafrika
siegessäule.de: südafrika: traumurlaub für schwule und lesbische touristen
respekt! Zeitschrift für Lesben- und Schwulenpolitik: Gewalt trotz Gesetz

bemerkenswert ist in diesem abschnitt und zu diesem thema der etwas realitätsfremde und kindlich anmutende versuch, eine moralische überlegenheit des schwarzen mannes zu postulieren: „…Ein schwarzer Mann würde das einer Frau doch nicht antun. – Eine Frage. Oder eine Aussage, um all die Aussagen über die Barbarei der Schwarzen wettzumachen, mit denen sie als Weiße aufgewachsen war….“

* 110-118 (glasperlenspiel13)

Puh – in diesem Abschnitt fand ich das Gespräch der beiden Frauen Jabu und Isa über Sexpraktiken bei Homo- und Heterosexuellen so was von konstruiert, dass ich wenig Lust hatte es überhaupt zu verfolgen.

Die Szene mit Seve im Bildungsministerium war vorherzusehen und weniger überraschend.

Tiefpunkte

Da dieser Abschnitt von einigen als Tiefpunkt des Romans empfunden wurde, frage ich mich, ob nicht Steve und Jabu auf einen Tiefpunkt in ihrem nicht mehr ganz so neuen freien Leben zusteuern, und zwar sowohl auf öffentlicher als auch auf privater Ebene:

Die Schulkommission wird im Bildungsministerium mit Floskeln und „Euphemismen“ abgespeist und auf einer Party, auf die man gern verzichten möchte, sieht sich Jabu mit den Vorurteilen von Isa konfrontiert, auf die sie keine konkrete Antwort weiß. „Wer war sie denn, darüber etwas zu sagen“.

Der Roman scheint sich der Jetzt-Zeit anzunähern. Es gibt keine Zeit wie diese, und diese zeichnet sich durch die „Scheinheiligkeit der Frommen und die fehlende Aufklärung der Revolutionäre“ (um Atalantes treffende Worte zu wiederholen) aus.

Da kann man schon gerne einmal das Buch an die Wand pfeffern. Fragt sich nur, warum…

S. 110 – 118 (Bibliophilins Notizen)

Steve kämpft für die Alphabetisierung, was ich sehr nobel finde.

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Eine Party ist in vollem Gange und ich bin unheimlich froh, nicht dabei sein zu müssen.

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Gordimer ist sehr verbissen an manchen Themen (Analsex, Homosexuelle, Delphinmänner) und wiederholt sich oft. Möchte sie durch die Wiederholungen hervorheben, was ihr wichtig ist und was sie beschäftigt?

S. 110-118 (Wortgalerie)

Während des Besuchs in der sogenannten „Schwulen-WG“ wird erneut der Bedeutungswandel des Wortes „gay“ thematisiert und Jabu und Isa tauschen sich in der Küche über Sex aus und unterstellen dabei einen Mentalitätsunterschied zwischen schwarzen und weißen Männern. Diese Gespräche irritieren mich…

S. 110 – 118

Steve und seine Gruppe bekommen endlich einen Termin beim Bildungsminister, der Erfolg bleibt jedoch aus. Es kommt lediglich zu einer Änderung von Begrifflichkeiten: ‚Schüler‘ heißen ab jetzt ‚Lernende‘ und Noten werden abgeschafft, stattdessen spricht man von nun an von Erfolgen.

Anschließend besuchen Steve und Jabu eine Party bei den ‚Delpinmännern‘ in der ‚Delphin-WG‘ oder wahlweise auch ‚Schwulen-WG‘. (Diese ständige Bezeichnung homosexueller Männer als „Delphine“, ohne Erklärung und Begründung nervt mich sehr.) Isa und Jabu können ihre Überraschung darüber, dass homosexuelle Paare nicht anders zusammenleben als heterosexuelle Paare kaum fassen. Auch Schwule haben Hausangestellte,

„leben hier in dieser Vorstadt wie wir, führen einen Haushalt, ärgern sich, dass sie den Klempner bestellen müssen, weil irgendwas leckt, bezahlen jeden Monat die Gebühr für die Wachleute.“

Genauso wie bei Ehepaaren.

Danach leitet Nadine Gordimer wieder zu ihrem Lieblingsthema über: Analsex. Schwule Paare haben wahrscheinlich auch nie etwas anderes im Sinn, als Sex. Isa kann überhaupt nicht verstehen, wie man etwas so Schmutziges wie Analsex praktizieren kann: „Dabei haben wir diesen sauberen, weichen, glatten Eingang speziell für sie. Um sie reinzulassen.“

Nadine Gordimers Begeisterung für schwule Sexpraktiken kann ich fast nur noch auf einem bestimmten Unterhaltungsniveau lesen, wenn es nicht so traurig wäre. Nach diesem Abschnitt war ich kurz davor, vor lauter Ärger über diese Klischees und Bigotterie mein Buch in die Ecke zu pfeffern.

Genosse Spießer

Steve und seine gleichgesinnten Kollegen erhalten endlich einen Termin beim Bildungsministerium. Doch ihr Anliegen scheitert an den zu erwartenden politischen Worthülsen.

Danach beschreibt Gordimer ein Essen bei den Freunden des kirchlichen Swimmingpools. Isa, die weiße Frau eines Revolutionärs und Jabu, die methodistisch erzogene schwarze Juristin, stellen in ihrem vertrauten Dialog fest, daß die homosexuellen Freunde eigentlich ganz normal seien und genau genommen partnerschaftlicher miteinander umgingen als heterosexuelle Paare. Isa fällt daraufhin nichts anderes als homosexueller Analverkehr ein, um dann mit ähnlichen Worten wie Steves Vater Andrew, ihre Erfahrungen mit einem ihrer früheren Liebhaber zu schildern. Natürlich spricht sie aus ihrer Perspektive, impliziert allerdings, wie schon gehabt, daß homosexueller Sex eine ekelhafte Sache sei.

Isa ist als weiße Afrikaanerin sozialisiert, Homosexualität war während der Apartheid strafbar. Jabu ist Methodistin. Diese protestantische Religionsgemeinschaft, die neben einem starken Arbeitsethos, s. Babas Ratschläge für Gary, für den berühmten schmalen Weg ins Himmelreich, also ein Leben ohne Vergnügungen aller Art, eintritt, zeigt auch eine seltsame Einstellung gegenüber Homosexuellen. Sie werden zwar als Kinder Gottes akzeptiert, sollen ihre Homosexualität jedoch um Gottes willen nicht praktizieren. Frau Gordimers Roman beginnt mir Spaß zu machen, sie demonstriert die Scheinheiligkeit der Frommen und die fehlende Aufklärung der Revolutionäre. Nach außen liberal, im Inneren voller Vorurteile.

Aber bei Jabu scheint etwas aufzubrechen.