* 56-69

oh.. ich komm ins hintertreffen, aber die liebe zeit….

Familienleben, überraschendes: Steve und Jabu erhalten eine Einladung zur Bar-Mizwa des Neffen Ryan, Sohn des Jonathan, der bis dato noch nicht auftauchte. Im Grunde steht Jabu dieser Feier aufgeschlossener gegenüber als ihr Mann, der das ganze für Humbug hält und sich über diese religiöse Anwandung verwundert zeigt. Jonathan („Wir Geschäftsleute und Golfspieler..“) sucht offenbar Identität im religiösen Bereich.

Letztlich geht Steve hin, ein halbherziger Versuch, Jabu davon abzuhalten, mitzugehen, „misslingt“. Schilderung der Zeremonie in der Synagoge. Der Rabbiner, oder wer immer es ist, der vorne steht, ist zur Überraschung Steves sein Bruder Jonathan. Für Steve ist das Bühnenrequisite, Ghetto-Kleidung, dabei ist doch das Echte, das, was sie heute leben, wofür er gekämpft hat.

Jabu als einzige schwarze Frau animiert zu sexuellen Assoziationen.

Gordimer hat selber jüdische Eltern, wäre interessant zu wissen, inwieweit sie sich selbst noch als Jüdin sieht.

Alan ist auch auf der Feier, aber der Exot ist jetzt Jonathan, der seinen natürlichen Schutz vor Anti-Semitismus aufgegeben hat.

Zu Hause erwartet Steve und Jabu wieder die Realität, so, als seien sie aus einem Schauspiel zurück. Gordimer beschreibt eine weitere Schwierigkeiten Steves, seine Rolle zu finden: eine Verwandte Jabus sittet ihr Kind, wenn die beiden weg sind und Steve besteht darauf, Wethu zu bezahlen. Anstatt also die Hilfe einer Verwandten anzunehmen, verweist er diese wieder in die Rolle eines Hausmädchens…

* 56-69 Glaubensfrage.

Dieser Abschnitt gibt Rätsel auf, zumindest für Steve. Wie kommt es, dass sich sein Bruder Jonathan plötzlich für das Judentum interessiert? Bislang lief die Religion nur beiläufig nebenher, wie der Weihnachtsmann, der einmal im Jahr erscheint und jetzt schickt Jonathan seinem Bruder eine Einladung zur Bar-Mizwa seines Sohnes. Jonathan spricht später davon, dass es nicht reicht, schwarz oder weiß zu sein, gehörten sie „zu etwas Näherem… Echterem…“. Wo mag dieser Gedanke herkommen? Oder war er dem Judentum immer schon nah, nur Steve war sich darüber nicht bewusst? Und warum das Judentum und nicht das Christentum? Und wer sagt, dass Menschen mehr wert sind, nur weil sie gläubig sind? (So interpretiere ich diese Beschreibung.) Das und dann der Dialog auf der Damentoilette in der Synagoge haben mich nachhaltig beschäftigt. Wie ist es euch damit ergangen? Und was sollte diese Bemerkung der Autorin: „Sie ist die einzige schwarze Frau, ja.“ Na, vielleicht bin ich einfach zu empfindlich und der Satz ist ganz normal. Nun denn, Fragen über Fragen, nichts als Fragen.

Finish and klaar

Drei Fragen Steves, ohne Fragezeichen, mit einen einfachen Punkt endend, als wären sie für ihn nicht wirklich fragenswert, als verwiesen sie allesamt auf blanken Unsinn:

Was ist in ihn gefahren.
Haben Kategorien eine Rolle gespielt.
Wieso hab ich das nicht gesehen.

Vielleicht aber zeugen sie von Steves Verunsicherung. Früher zählte nur eines: „Sie war schwarz, er weiß“.

Zwar tritt in diesem Kapitel erstmals Jonathan auf, der älteste Bruder Steves. Doch was dieser mit seinem Leben macht, weiß man immer noch nicht so genau. Und wenn es nach Steve ginge, wäre mit folgender Beschreibung genug über ihn gesagt: Er ist der Sohn von Pauline (jüdisch), und Andrew (nichtpraktizierender Christ), beide weiß. Doch nun fordert dieser Jonathan etwas Echteres, eine Identität, die nicht auf Grundkategorien reduziert werden kann: „Es reicht nicht, schwarz oder weiß zu sein, finish and klaar“. Bezeichnend der Besuch von Ryans Bar-Mizwa. Steve kommt mit geliehenem Hut, das Ganze ist für ihn nichts als ein Ausflug in eine Farce, der Weg nach Hause eine Rückkehr in die wohlgefügte Realität. Von außen betrachtet hingegen ist das Bar-Mizwa-Fest durchaus real, das Heim hingegen Illusion. In der Auseinandersetzung mit diesen plötzlich in seinem Leben  auftauchenden neuen Wirklichkeiten ist es auch mit Steves Routine aus den Zeiten des Kampfes vorbei. Oder wie es hier an anderer Stelle so treffend formuliert wurde: Es zeigen sich „die ersten Löcher im Mantel dieses Heiligen Martins“.

S. 56 – 69

Im siebten Abschnitt erfahren wir endlich etwas über Jonathan, der Bruder von Steve, der bisher noch gar nicht im Mittelpunkt stand. Steve und Jabu werden zu der Bar Mizwa seines Sohnes eingeladen. Jonathan ist dabei als Rabbiner tätig und Steve braucht lange, bis er seinen Bruder in dieser neuen Rolle erkennt.

Dieser Abschnitt war der erste etwas längere Abschnitt und ich hatte gehofft, besser in die Geschichte hineinfinden zu können. Leider spüre ich beim Lesen jedoch immer noch eine gewisse Distanz zum Text und zu dem, was Nadine Gordimer erzählt. Erschwert wurde mir das Lesen durch die fehlenden Anführungszeichen, die es schwierig machten, Dialogen zu folgen.

Auch im siebten Abschnitt greift Gordimer einige ihrer Hauptthemen auf: Toleranz, Unterschiede … zentral ist sicherlich in diesem Zusammenhang der Satz:

„Wenn es um die Umsetzung der neu gewonnenen Freiheit ging, konnten Klassenunterschiede an die Stelle der Hautfarbe treten.“

Ansonsten mag ich die Formulierung der Bibliophilin, die in ihren Notizen von einem „Wirrwarr an Gedanken“ schreibt. So erging es mir auch immer wieder ein Stück weit.

Exemplarisch steht für mein Empfinden dafür ein (!) Satz, der sich am Ende des Abschnitts befindet und bei dem ich erst nach wiederholtem Lesen wusste, was die Autorin uns eigentlich sagen möchte.

„Sein isiZuli, das Jabu ihm beibrachte – weitergab -, damit er mit seiner Tochter in deren anderem kulturellem Erbe reden könnte und gegenüber seinen Studenten, die das Hip-hop-Englisch neuesten Stands perfekt beherrschten, im sprachlichen Aspekt des Denkens etwas weniger unterlegen wäre, wenn er sie zu sich nach Hause lud – auch das war kein isiZulu-Gebrauch, mit dem diese Frau Wethu vertraut war.“

S. 56 – 69 (Bibliophilins Notizen)

Einige Wiederholungen, ein paar neue Informationen, ein Wirrwarr an Gedanken, gewisse Kälte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Gordimers Protagonisten ihre Schöpferin wütend machen, dass sie sie nicht mag. Warum schreibt sie dieses Buch? Worum geht es ihr?

*

„Selbstbewusste Brüste“. Das finde ich witzig.

*

Ich frage mich, ob die Autorin auch anders über Sex und Liebe schreiben kann als nur in diesen Tönen:


Mit einem Gruß an Atalante: (ich musste einfach an Dich denken)

S. 56-69 (Wortgalerie)

Hier gibt es mehr Dialoge und ich frage mich manchmal immer noch, wer eigentlich gerade zu wem spricht. Vor allem verwirrte mich der – plötzliche und kurze – Erzählerwechsel auf S. 59 nach dem Dialog. Hier wird offensichtlich aus Steves Perspektive erzählt: „Ich liebte sie zum ersten Mal…“.
An manchen Stellen sind mir Informationen aufgefallen, die wiederholt werden. Am Ende dieses Abschnitts wird wiederholt, dass Jabu Steve isiZulu beibringt und die Gründe dafür aufgeführt. Ich werte das nicht als negativ, denn bei einem so umfangreichen Werk kann das für den Leser hilfreich sein. Denn ich stelle generell beim Lesen bei mir selbst fest, dass ich manche Absätze konzentrierter lese als andere.

* S. 56-69 (glasperlenspiel13)

Die häufigen Wechsel der Perspektive machten mir dieses Mal wirklich zu schaffen. Auch mehrmaliges Lesen verhalf nicht immer zur Klärung.

Wir erfahren nun endlich etwas mehr über Jonathan, Steves zweiten Bruder. Es muss lange Zeit Funkstille zwischen beiden geherrscht habe, da er ihn nicht erkennt als er bei der Bar Mizwa seines Neffen als Rabbi die Zeremonie vornimmt. Ich bin gespannt zu erfahren, was da noch im Verborgenen liegt. Warum die beiden Brüder sich so entfernt haben. Überrascht hat mich vor allem Jonathans Frau Brenda. Sie hatte ich mir verklemmter und mit mehr Vorurteilen gegenüber Jabu vorgestellt.