S. 48-55 (Wortgalerie)

Als ich diesen Abschnitt las, musste ich über Sprache und Identität nachdenken. Sprache wird hier zur Barriere zwischen Steve, Jabu und Sindiswa, weil Steve als einziger kein isiZulu spricht.
Bereits zu Beginn des Romans wird Sindiswa als „der erste Abkömmling eines neuen Zeitalters“ (S.30) beschrieben und ich frage mich, wie dieses Zeitalter auf sie wirkt, wenn sie zweisprachig aufwächst. Ich sehe Sprache als identitätsbildend an und vielleicht hilft die Zweisprachigkeit dabei, sich von dem Schwarz-Weiß-Denken zu lösen.

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* S. 48-55 (glasperlenspiel13)

Steve will also isiZulu, die Sprache seiner Frau lernen. Das kommt doch ziemlich plötzlich. Warum erst jetzt mit Kind? Während ihres gemeinsames Kampfes waren die beiden doch auch schon ein Paar. War es damals nicht wichtig? War es nicht wichtig die Sprache derjenigen zu lernen für die man kämpft? Ich lebe selbst in einer zweisprachigen Beziehung und es ist für mich eine Art des Respekts gegenüber dem anderen auch dessen Sprache zu erlernen. Sprache ist doch immer Teil einer Kultur aus der man kommt; Teil des eigenen Ichs. Dass ihr das nicht so wichtig ist, kann ich nicht nachvollziehen.

Trotz meines Kopfschüttelns sind Steve und Jabu endlich lebendig für mich. Ich habe das Gefühl, dass es jetzt losgeht, dass ich jetzt endlich „ankomme“. Doch dann wendet sich das Blatt und am Ende des Abschnitts verliere ich mich im Abstrakten.

Das Paradox der Freiheit

Ich finde es bisher ziemlich heimtückisch, dieses Buch. Ja warum? Weil es seinen Helden/Antihelden Steve so sehr aus der Ferne betrachtet, dass es unmöglich ist, ihn zu mögen. Dabei macht er doch ständig Dinge, die ihn vordergründig als sympathisch erscheinen lassen könnten. Aber man dringt nicht zu ihm vor – weil es nicht authentisch ist, was er treibt. Doch das ist nicht das Problem einer schwachen Erzählerin, die ihren Helden nicht in lebendigen, liebenswürdigen Farben zeichnen kann. Es ist das Paradox der Freiheit: Steve versucht seit Ende der Apartheid, eine Lücke zu schließen, die in ihm als ehemaligem Revolutionär ebenso klafft wie im Ex-Soldaten des Apartheidregimes. Verdingt dieser nun plötzlich sein „Talent zur Gewalttätigkeit“ in Sicherheitsfirmen, so versucht jener verzweifelt, diese „nicht-Kategorien“ zu eliminieren, die plötzlich überall auftauchen.

Im Kampf, im Untergrund spielten Differenzen keine große Rolle. Seine Identität wurde nicht ex negativo beschrieben, man war Teil eines größeren Ganzen. Und Teil eines Ganzen sein wollen, ist die Motivation hinter seinen Taten als „ganz ganz toller Mensch“: Er wechselt an die Universität, wird Dozent, er lädt seine Studenten zu keimfreien Zusammenkünften auf Ernüsse und Fruchtsäfte zu sich. Er will nun plötzlich Zulu lernen, er will kein Ausländer sein. Er will Afrikaner sein, sich als Afrikaner ausdrücken können. Alles verständlich, und doch: entfremdet.

Man könnte auch mit der Klappentexterin sagen: Steve hängt in einer Nebelwand fest, er kann folgende Frage nicht mehr beantworten: „Wem sind die Menschen noch verantwortlich?“

* 48-55 (aus.gelesen)

Die Personen (zumindest die hauptsächlichen) sind vorgestellt, jetzt widmet sich Gordimer der Sprache eines Staates, der Bürger aus vielen Völkern und deren Mischungen enthält, meist als Nicht-Europäer, Identität durch Negation. Und durch Sprache. So will Steve jetzt Zulu lernen, als Bürger dieses von der inneren Fessel befreiten Staates.

Was fang ich an nach einem Kampf mit den Kämpfern, die vllt sonst nichts gelernt haben. Oder im Gefängnis saßen. Die einfachen Kämpfer setzen das Gelernte um in der Armee oder in Sicherheitsdiensten, andere können sich verdingen in Firmen oder gar in der Regierung.

Auch die Fähigkeiten scheinen befreit, die der Künstler zumindest.

Die erste allgmeine Verunsicherung.

Das normale Leben eben.

Hält Einzug.

* 48-55 Da war sie wieder: die Nebelwand.

Sindiswa ist eine Brücke, die eine sprachliche Verbindung zwischen dem Nichtschwarzen und dem Schwarzen schafft. Sie ist es, die ihren Vater anstößt, die Sprache der Mutter lernen zu wollen. Er will nicht draußen stehen bleiben, taub und unwissend, wenn Jabu ihrer Tochter etwas auf isiZulu erzählt. An einer Stelle sagt Steve: „Ich bin kein Ausländer.“ Und doch fühlt es sich in solchen Momenten genauso an, wenn die Mutter ihrer Tochter etwas in der anderen Sprache erzählt. Daran sieht man die Teilung des Landes, in Nichtschwarz und Schwarz, die es nach wie vor gibt.

Der zweite Teil dieses Abschnitts ist reines Kauderwelsch für mich. Ich lese viel und verstehe wenig. Die Nebelwand vor meinem Kopf verschwindet nicht. Es ist mir ein bisschen peinlich. Ehrlich gesagt, habe ich eine Weile überlegt, ob ich das so offen sagen kann und diese Beobachtung mein stilles Kämmerlein verlassen darf. Aber so ist es, warum soll ich das schönreden? Die folgenden Sätze fordern viel Konzentration, die ich derzeit wohl nicht bieten kann. Statt mich darüber zu ärgern, lese ich einfach weiter und hoffe, dass die Nebelwand mit dem nächsten Abschnitt verschwindet. Vor einigen Tagen hätte ich mich daran aufgerieben, jetzt nehme ich es an, weil ich Seiten wie diese schon kenne. Manches ist bei Nadine Gordimer eben glasklar und anderes verborgen, verpackt in einem Dschungel aus Wörtern und Beschreibungen, die mich vor lauter Unwissenheit wahnsinnig machen können, bisweilen hölzern sind und pieksen, mal wohlwollend und mal unangenehm.

S. 48 – 55

Im Mittelpunkt zu Beginn des sechsten Abschnitts stehen Sprache und Identität. Steve möchte von seiner Frau isiZulu lernen: „Welche Sprache sollte er sonst lernen, es war ihre.“ Es folgt in diesem Zusammenhang auch ein Blick in die Vergangenheit: mit seinen Genossen in den Kadern hat Steve sich auch ohne Worte verständigen können. Ich habe Steves plötzlichen Wunsch die afrikanische Sprache zu lernen als nicht unbedingt authentisch empfunden. Auch im sechsten Abschnitt wird mir Jabus Mann einfach nicht sympathisch, gestolpert bin ich auch über die Aussage „er ist ein Weißer, der seine Identität verdient hat […]“. Steve wirkt auf mich wenig dynamisch, stattdessen steif und unflexibel. Nicht nur zu Steve, auch zu den anderen Figuren war es mir noch nicht möglich eine Bindung aufzubauen.

Im weiteren Verlauf des Abschnitts erfahren wir etwas über die Verhältnisse in Südafrika nach der Zeit der Apartheid. Erneut werden die Schutztruppen („Alterwatch“) erwähnt, die eingerichtet wurden, um den privaten Besitz zu verteidigen und zu schützen.

Am Ende dieses Abschnitts fällt es mir schwer Nadine Gordimer zu folgen. Ich finde keinen sicheren Stand in dem Buch, es tun sich immer wieder Lücken auf, es ergeben sich Dinge und Zusammenhänge die ich nicht verstehen oder einordnen kann. Es sind Wörter wie Genossen und Kader, über die ich immer wieder stolpere und unter denen ich mir nichts vorstellen kann.