*S 38-43 (glasperlenspiel13)

Inhaltlich wurde ja schon viel über den Abschnitt gesagt, so dass ich mal meinen Gedanken freien Lauf lasse bzw. einige Fragen in den Raum stelle. Jabus Vater setzt sich gegen alle Widrigkeiten für eine gute Ausbildung seiner Tochter ein. Was ja an sich sehr vorbildlich aber was ist mit seinen Söhnen? Dieser Gegensatz wäre mir dann doch zu stark: die Tochter studiert und die Söhne bleiben zu Hause bzw. gehen arbeiten. Dem Vater ist anscheinend auch bewusst, dass seine Tochter während des Studiums im Nachbarland einem gewissen Einfluss ausgesetzt ist. Und so erfahren wir dann in nur einem Satz, dass „Jabu in Swasiland von den Freiheitskämpfern aus Südafrika rekrutiert worden“ ist. Das war für mich wie ein Déjà-vu. Wieder versteckt Gordimer mitten im Text in einem Satz, fast beiläufig, eine wichtige Information. Dazu hätte ich gern noch mehr erfahren aber so ähnlich erging es ja auch flattersatz, der zu den drei Monate Haft von Jabu ebenfalls mehr wissen wollte.

Die Rolle der Mutter, gefangen in ihrem eigenem Kosmos, finde ich sehr fragwürdig. Ist sie doch als Frau gegen die Ausbildung ihrer eigenen Tochter.

S. 38-43 und S. 44-47 (Wortgalerie)

Familie ist das Hauptthema: Jabus Elternhaus und Steves Familienverhältnisse. Es kommen viele Namen und Informationen vor, doch davon ist nicht alles neu: Die Lebensweisheit von Jabus Vater „Die beste Zeit ist jetzt“ (S. 41) reiht sich in das Zeit-Motiv des Romans ein.
Sind erst einmal die Figuren und ihre Konstellation klar (ich habe mir einen kleinen Stammbaum von Steves Familie daneben gezeichnet), lesen sich die Abschnitte sehr schnell und flüssig. Positiv überrascht war ich über die Einstellung von Alans Eltern gegenüber seiner Homosexualität, denn ich kann mir vorstellen, dass es in Zeiten solcher Umbrüche nicht selbstverständlich ist, dass sie es akzeptieren.

* 38-43 Vater und Tochter.

Dieser Abschnitt las sich schnell. Ich war selbst ganz erstaunt, fast ein bisschen erschrocken. Alles war klar. Es gab keine gemeinen Reibungen in den Augen oder im Kopf, keine unangenehmen Störungen, stattdessen ein langer Fluss und entspannter Atem.

Die Autorin holt uns eine neue Person ins Blickfeld: Jabus Vater. Er ist Presbyter in der methodistischen Kirche für Schwarze und Leiter einer höheren schwarzen Knabenschule. Jabu ist eine „Vatertochter“ und genießt die Privilegien, die schwarzen Frauen sonst nicht zusteht: Bildung. Normalerweise hüten sie das Haus, „gingen eigenen Beschäftigungen nach und widmeten sich der Versorgung der Kinder, dem Kochen, mit diversen Arbeiten vom Gemüseanbau bis zum Bau von Unterkünften, dem Erhalt der Familiengemeinschaft.“ Jabu nicht, sie geht in die Schule, auch angetrieben vom Vater, der nach wie vor wie ein junger Schüler wissensdurstig ist. Jabu bringt gute Noten nach Hause, so dass der Vater sie im benachbarten Swasiland aufs College schicken will. Die Mutter protestiert, doch der Vater gewinnt. In Swasiland wird sie von Freiheitskämpfern aus Südafrika rekrutiert und bei der Rückkehr nach Südafrika festgenommen. Drei Monate sitzt sie im Frauengefängnis von Johannesburg, darf keinen Besuch empfangen, aber der Vater setzt sich bei der Oberaufseherin durch und darf ihr Kleider und Studienunterlagen zukommen lassen. Die Bücher enthalten Botschaften. Der Vater gehört keiner Organisation an, doch bei einer Demonstration schlichtet er zwischen den Schülern und der Polizei.

S. 38 – 43

Der heutige Abschnitt hat mir besser gefallen, als die vorangegangenen. Der Leser erfährt mehr über Jabubiles familiären Hintergrund. Sie ist eine „Vatertochter“. Ihr Vater, Elias Siphiwe Gumede, hat ihr den Zugang zu Bildung ermöglicht, in dem er sie zunächst auf eine Missionsschule schickte und später nach Swasiland zum Studieren. Jabubiles Vater ist selbst ein gebildeter Mann, hat einen Abschluss als „B. Ed., Bachelor of Education“.

Den Slogan des Romans „Keine Zeit wie diese“ finde ich in Jabus Vater sehr gut repräsentiert. Er handelt, versucht Dinge zu verändern und anders zu machen – eine neue Zeit einzuläuten. Zum Wohle seiner Tochter. Während es der Mutter von Jabu weniger um das Wohl ihrer Tochter geht, als den Status, den sie durch eine gebildete Tochter erreichen können.

Ich hoffe, dass wir noch mehr von Jabus Vater lesen werde – er ist einer der ersten Charaktere des Romans, der mir sympathisch ist – gefallen hat mir auch der Hinweis auf Bücher, „nicht Feuerwaffen, sondern Waffen des Geistes.“

In diesem Abschnitt spielen auch wieder politische Dinge eine Rolle: Jabu hat sich dem ANC angeschlossen in Swasiland und saß für drei Monate in Untersuchungshaft.

Ähnlich wie Flattersatz sind mir auch in diesem Abschnitt erneut einige unglückliche oder auch missverständliche Formulierungen aufgefallen:

„Sie wurde nicht im Haus gehalten …“ oder auch „Die Frauen waren es gewohnt, neben einem Mann in einem Bett als Frau zu leben […]“, ein Satz den ich mehrmals lesen musste, um ihn zu verstehen ohne auch jetzt zu wissen, ob ich ihn wirklich richtig verstanden habe.

S. 38 – 43 (Bibliophilins Notizen)

Ich habe diesen Abschnitt gelesen, ohne mir Notizen zu machen. Ich habe mich auf den Text konzentriert und habe das Gefühl, dass ich langsam in die Geschichte reinfinde. Es gefällt mir, was ich über die Beziehung zwischen Jabu und ihrem Vater erfahre. Ich rechne ihm hoch an, dass er seiner Tochter gute Ausbildung ermöglicht hat.

*
Zwei besondere Gedanken aus diesem Abschnitt haben sich mir eingeprägt:

„Die beste Zeit ist jetzt“

„Bücher – Waffen des Geistes“

*

Sehr vorsichtig freue ich mich nun auf den nächsten Abschnitt.

Recht auf Bildung

Am Beispiel Rebeccas macht Gordimer ihre Leser auf die ungerechten Bildungsmöglichkeiten während des Apartheidregimes aufmerksam. Die indigene Bevölkerung wird benachteiligt, aber auch innerhalb dieser Gruppe herrscht Ungleichheit, für Mädchen ist keine weiterführende Schulbildung vorgesehen.

Dagegen lässt sie Rebeccas Vater antreten, der seine Tochter Tradition und Zuständen zum Trotz unterstützt. Er mischt sich zudem in die Proteste gegen den Bantu Education Act ein, der eine mindere Ausbildung der Homeland-Bewohner durch Inhalte und durch schlecht ausgebildete Lehrer vorsah.

Gordimer benutzt die individuelle Bildungsgeschichte um die allgemeine Bildungsungerechtigkeit zu illustrieren.

Bantu-Education-Act hätte man unübersetzt lassen können.

* 38-43 (aus.gelesen)

I.

Wir erfahren den familiären Hintergrund Jubas, die aus einer angesehenen schwarzen Familie stammt. Vater und Großvater nahmen hohe Stellungen in Kirche und Gemeinde ein. Gelebt haben sie einer im Kolonialstil erbauten Backsteinvilla, kollaterale Verwandte wurden in Lehmbauten im Garten untergebracht. Außer diesen familiären Gegebenheiten werden noch andere soziale Verhaltensweisen und Traditionen erwähnt.

Juba war ein Vaterkind und dieser Vater setzte sich über viele traditionelle Verhaltensweisen hinweg. So sorgte er für eine ordentliche Schulbildung von Juba, die er sorgfältig überwachte und schickte sie, nicht seinen Sohn, zum Studium ins Ausland. Gordimer stellt die Frage in den Raum, ob er damit (billigend? wissend?) in Kauf nahm, daß sie mit dem dort umher gehenden umstürzlerischem Gedankengut in Kontakt kommt. Er selbst, der Vater, gehörte keiner politischen Vereinigung an. Und tatsächlich wird seine Tochter von Freiheitskämpfern angeworben und auf ihrer ersten Mission in Johannesburg festgenommen und für ein Vierteljahr ins Gefängnis gesteckt.

II.

„Sie wurde nicht im Haus gehalten…“ eine seltsame/unglückliche Formulierung.. Katzen und Hunde hält man im Haus, Schweine und andere Nutztiere hält man nicht im Haus….

Die drei Monate Haft: warum, wieso, weswegen? auch hier die Unkenntnisse über südafrikanische Verhältnisse in Zeiten der Apartheid.

III.

„Die beste Zeit ist jetzt.“ Dabei ist doch keine Zeit wie diese….