*383-465

Nach der großen Wahlkampfschlacht kommt es nun endlich zur Wahl selbst. Steve und Jabu stellen sich mit ihren Entscheidungen gegen die Vorstadtfreunde. Steve geht gar nicht wählen und Jabu wählt die Abtrünnigen. Was bringt es, wenn auch in den anderen Parteien Korruption an der Tagesordnung ist?

Australien rückt immer näher und die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Man überlegt, was wird mitgenommen, wie und an wen wird das Haus verkauft und man erinnert sich an den letztem Umzug – als es damals in die Vorstadt ging. Ein Ereignis überschattet die Vorkehrungen: Während einen Wochenendausfluges wird in ihr Haus eingebrochen und dabei auch Wethu verletzt. Der Schock sitzt tief. Langsam bekomme ich das Gefühl, dass es mit der Abreise nicht klappen wird. Nicht etwa weil einer der beiden nein sagt, sondern aufgrund einer dritten unbekannten Größe. Wir werden sehen.

Die Abschnitte lesen sich wieder besser und mein Interesse an Jabu und Seve wächst. Sie sind für mich plötzlich nahbarer geworden.

Ich bin ein wenig in Verzug, so dass sicher als Letzte meine Bilanz zu Gordimer ziehen werde. ABER: Immerhin bin ich auf der Zielgeraden. Hatte so manchen Tag an dem ich das Buch einfach nur wegstellen wollte.

 

*305-382 (glasperlenspiel13)

Und das Leben geht weiter…

Delphine werden hetero und heiraten. Zuma verstrickt sich immer weiter in Korruption – „Das ist das Ergebnis der Jahre im Gefägnis, im Exil, dafür sind Genossen im Buschkampf gefallen.“ – Das Bildungssystem steht weiterhin am Pranger. AUSTRALIEN wird immer konkreter. KwaZula einst sicherer Hafen wird nun, wenn möglich, gemieden. Wieder AUSTRALIEN. Politische Scharmützel. Wahlen. Zuma. Noch mal AUSTRALIEN, Wahlkampf usw.

Ich benötige all meine Konzentration, um in diesem politischen Wirrwarr den Überblick zu behalten, was mir letztendlich kaum gelingt. Ich gestehe, dass ich mich gerade die letzten Absätze ein wenig gequält habe. So ist auch meine gedankliche Ausbeute bzw. dieser Beitrag nicht sonderlich umfangreich. Das Ende naht und damit stellt sich mir langsam die Frage, was ich aus diesem Text von Gordimer mitnehmen werde…..

*188-304 (glasperlenspiel13)

So ich habe einiges aufzuholen.

Kongress in London: Es nervt mich ein wenig, dass ich in relativ kurzer Zeit drei Bücher in der Hand hatte, die sich der Kongress-Thematik angenommen haben. Genauer gesagt, dass es während eines Kongresses zum Seitensprung kommt. Gibt es denn nicht Originelleres als immer dieses Klischee zu bedienen? Das war mir selbst für eine Gordimer zu platt. Zumal man es schon bei der ersten Erwähnung der Dame im (späteren) Häschenpyjama erahnt – gähn.

Xenophobie: Puh, wer nutzt denn solche Begriffe? Delphine? Alte Genossen? Schwarze? Weiße? Akademiker? Anwälte???? Da verliert für mich der Text die letzte Glaubwürdigkeit.

Jabus Schwangerschaft: Es schwirren mal wieder jede Menge Fragezeichen umher. Hat sie abgetrieben? Muss wohl so sein, da man Seiten später so gar nichts mehr davon liest. Hat sie es Steve erzählt? Wenn nicht, wären sie ja eigentlich quitt. Steve: ein verschwiegener Seitensprung / Jabu: ein verschwiegener Schwangerschaftsabbruch. Obwohl da ist ja noch Australien…. Die viel gelobte Ehrlichkeit unter Genossen während des Kampfes haben die beiden wohl am Eingang der Vorstadt abgegeben.

Wir erinnern uns, schon am Anfang des Buches wurde eine Schwangerschaft samt Geburt auf anderthalb Seiten abgehandelt. Da ist es nur konsequent eine wenige Wochen alte Schwangerschaft und deren Abtreibung in einigen Absätzen abzuhandeln.

Australien: Schön, dass es bei diesem Thema endlich mal zur Konfrontation kommt. Steve denkt schon länger darüber nach Südafrika zu verlassen und nach Australien zu gehen. Jabu sucht zunächst den Weg über Freunde, später spricht sie ihn direkt an. Und es platzt aus ihm heraus. Hervorragend denkt man, freut sich aber zu früh, da nach seiner Argumentation ein neues Thema angeschnitten wird: der Jahresparteitag des ANC. Gordimer gesteht Jabu keine Antwort zu vielmehr schickt sie sie damit zu ihrem Vater – mal wieder. Verständlich, dass er damit nicht einverstanden sein kann.

Initiation: Die Einleitung und Herführung dieses Begriffes in Verbindung mit einem Vorfall an einer Universität (weiße Studenten demütigen auf einer Party schwarze Angestellte) sind für mich leider nicht nachvollziehbar. Schon konkreter ist der Aktionismus unter den alten Genossen: Man will Gerechtigkeit.

*132-187 (glasperlenspiel13)

Ich habe mir mal die Freiheit genommen und mehrere Abschnitte am Stück, ohne jeglichen Beitrag dazu, gelesen. Es tat gut, nicht jeden Satz zu hinterfragen auch mal einen Absatz zu überspringen, wenn er partout nicht zu verstehen war und ich habe für mich ein schönes Bild gefunden. Nelson Mandela hat sein Südafrika als Regenbogennation beschrieben und so sehe ich auch langsam das Buch. Viele verschiedene Themen werden angeschnitten (Religion, Sexualität, Bildung, Korruption, Familien, Untergrundkampf, Rassendiskriminierung, Exil, Gewalt) und in regelmäßigen Abständen wiederholt, hinterfragt und anhand von Jabus und Steves sozialem Netz dargestellt. Ich sehe das nicht mal negativ, denn so ist zum größten Teil die Realität. Auch an Gordimers Stil habe ich mich langsam gewöhnt. Ich erwarte nicht mehr so viel von ihren Charakteren, so dass ich hin und wieder überrascht bin, wenn wir doch etwas hinter den Vorhang schauen dürfen.

Eines der stärksten Motive der letzten Seiten war: die Konsequenzen der Freiheit. Darunter fällt die angesprochene Korruption, der Waffenhandel der neuen Regierung, der Überfall auf Jake und das neue Bildungssystem, mit dem Jake tagtäglich konfrontiert wird.

*119-131 (glasperlenspiel13)

Jabu und Steve fahren ins Ausland – nach London. Werden dort von exilierten Freunden aufgenommen und versorgt. Und tatsächlich hätte es mich interessiert, eine kontroverse Diskussion zwischen „Daheimgebliebenen“ und „Exilierten“ zu lesen. Auch das wird wieder mal auf einer halben Seite abgearbeitet. Schade.

* 110-118 (glasperlenspiel13)

Puh – in diesem Abschnitt fand ich das Gespräch der beiden Frauen Jabu und Isa über Sexpraktiken bei Homo- und Heterosexuellen so was von konstruiert, dass ich wenig Lust hatte es überhaupt zu verfolgen.

Die Szene mit Seve im Bildungsministerium war vorherzusehen und weniger überraschend.

* 100-109 (glasperlenspiel13)

Ein kleiner Lichtblick. In diesem Abschnitt fühle ich mich wohl. Verstehe, begreife und entdecke weitere Facetten von Steve und Jabu.

In einem parallel lesendem Buch von Meir Shalev lese ich folgende Zeilen:

„Mir (als Fünfjährigen) die Zügel des Pferdes zu überlassen, war weit mehr als ein Spiel. Es war Ausdruck einer Haltung, die heute mehr und mehr abhandenkommt: Man gab kleinen Kindern das Gefühl, dass man ihnen etwas zutraute, ihnen Verantwortung übertrug und – später – auch von ihnen erwartete, ihren Teil beizutragen und sich nützlich zu machen.“

Als hätte sich Jabus Vater in dieses Buch geschummelt.