*466-506 (aus.gelesen)

Mitten in die Aufbruchsvorbereitungen, die die Reeds durch einen Besuch im Nationalpark unterbrechen, dringt das Grauen in die bunte Vorstadt ein: Wethu, die allein zu Hause geblieben ist, wird überfallen und zusammengeschlagen, das Haus ausgeraubt. Daraufhin zieht (i) Wethu aus dem ehemaligen Hühnerstall ins Haus der Reeds um udn (ii) Sindi will, daß sie mit nach Australien kommt.

Überhaupt ist Wethu ein „Problem“, da sie ja nach der Abfahrt der Reeds zurück muss in ihr Dorf. Auch Sindi entdeckt die kwaZulu in sich, vllt als unbewusste Reaktion auf die Angst vor dem neuen, aus der sie sich in ihrem Wurzeln verankern will.

Noch nimmt sich Gordimer dem Thema „Fremdenfeindlichkeit“ an und schickt Steve gleich in die tätige Hilfe: bei einem Besuch einer Flüchtlingssiedlung, zu dem er mit einem befreundeten Professor gefahren ist, treffen die beiden einen Simbabwianer, den Steve mit nach Hause nimmt, um ihm im freigewordenen Hühnerhaus eine Obdach zu geben. Der Kreis schließt sich….

Gordimer läßt ihren Roman mit einer Szene enden, in der Steve und Jabu im Kreise der Genossen sitzen („Herbst der Partys, im Sommer. Ein Ende.„) und die Umstände und Entwicklungen in ihrem Land wie in einem Kaleidoskop vor ihnen erscheinen. Es ist eine fulimanten Brandrede, die Jake da – alkoholunterstützt – von sich gibt, die vllt beeindruckendste Passage des gesamten Buches, eine Quintessenz des Scheiterns, der zerstörten Hoffnungen und der düsteren Aussichten…. Und – ähnlich überraschend wie die Entscheidung pro Auswanderung – animiert sie Steve, weckt seinen Kampfgeist („a luta continua“, endlich wieder Genosse?) – und Gordimer beendet den Roman mit seinem Ruf:

Ich gehe nicht

Habe fertig, Roman leer. Zum Abschluss gönnt die Autorin uns noch mal einen entlarvenden Blick auf Steve, der trotz aller Genossenromantik seine Frau (ist Jabu nun schwanger oder nicht, ein Punkt, den Gordimer nie wieder aufgenommen hat, oder habe ich das überlesen?) und Kampfgenossin wieder vor eine eigenmächtige Entscheidung stellt… Natürlich ist dieser Ausruf Steves, wenn es denn überhaupt eine belastbare Entscheidung ist, auch ein Zeichen für die innere Unsicherheit, die Angst vor dem Neuen, aufgestachelt und mitgerissen durch die Brandrede des Freundes…

Ein offenes Ende, offen, wie die Zukunft Südafrikas. Insofern symbolisch, wie vieles in diesem Roman…

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