Am Ende der Parabel

Die durch soziale Verelendung ausgelösten Probleme dringen in die Privatsphäre der Reeds ein, seien es der Raubüberfall auf Wethu in ihrem Haus oder die Beherbergung eines verfolgten Einwanderers aus Simbabwe. Steve und Jabu erkennen, auch die vermeintliche sichere Welt der Vorstadt bleibt nicht heil. Sie war schon immer lediglich ein Reservat der „Bourgeosie der Genossen“.

Die Autorin hat über 450 Seiten benötigt um diese Erkenntnis in Steve und Jabu reifen zu lassen. In ihrem Roman voller Klagen über die politischen und sozialen Mißstände des südafrikanischen Staates und in ihren Anklagen gegen dessen Regierung aber auch gegen die Bürger.

Meine Lesergeduld hat dieses politische Lehrstück oft strapaziert. Vieles wurde überdeutlich und redundant in das Geschehen eingebunden. Der eigenwilligen Stil Gordimers mit seinen frei assoziierten Satzteilen hat die Lesbarkeit nicht leicht gemacht. Gordimers Motiv liegt in der politischen Aussage. Doch ihre politische Botschaft bildet ein Skelett mit sehr wenig Erzählfleisch. Dass Gordimer dies durchaus hätte liefern können, zeigen einige wenige Szenen.

Vieles erkannten wir viel zu früh, unter anderem die Bourgeosie der Vorstadt, den umgepolte Delphin, den man als ein weiteres „Nichts ist wie es scheint“ noch hinnehmen könnte, oder den religiösen Konflikt zwischen Stiertöterritual und Christentum.

Der Mann aus Simbabwe in der klandestinen Gartenherberge ist das letzte Exempel um noch einmal das Thema Xenophobie = Armut durchzuspielen. Zugleich ist er ein Memento an die Anfangszeit von Steve und Jabu in Glengrove Place. Die beiden klandestinen Schicksale zu Beginn und zum Ende des Romans mag Gordimer als Klammer für ihre ausführlichen Darlegungen gedacht haben.

Das Buch endet in einer furiosen Rede des alkoholisiert enthemmten und empörten Jake, die alle Übel noch einmal klar benennt. Streiks, UN-Hilfstruppen, Minen, Korruption, Rüstungsindustrie. Jakes Anklage, fast eine Kampfansage, fasst Steve als Appell auf. Er, der weiße Südafrikaner, entscheidet sich zu bleiben.

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