S. 264 – 304

Wie aus heiterem Himmel kommt bei Steve plötzlich die Idee auf, Südafrika zu verlassen und nach Australien auszuwandern. Jabu findet durch Zufall Hinweise auf seinen Plan und ist im ersten Moment überrascht: „Warum hat er nichts davon erwähnt, irgendwas gesagt, wir erzählen uns doch immer alles.“ In dem Moment tat mir Jabu für ihre Naivität leid, sie scheint nichts von Steves Abenteuer in der Mühle zu ahnen. Ziemlich schnell ist Jabu jedoch in der Lage dazu, Steve zu verzeihen, dass er ihr von seinen Plänen nichts gesagt hat und scheint sogar gefallen an der Idee zu finden, auszuwandern. Sie entschließt sich sogar dazu, es ihrem Vater zu sagen und auch ihren Freunden vom Swimmingpool teilen sie sich mit.

Der Wunsch auszuwandern deutet auch daraufhin, dass sich in Südafrika nicht alles zum Guten gewendet hat: „Hütten, wo unser Volk jetzt Wände und ein Dach haben sollte, aber die Menschen leben immer noch in der Scheiße […]“

Mich überrascht es, dass sich Jabu so bereitwillig Steves Auswanderungsplänen anschließt: sie hat eine gute Anstellung und ihre Familie in Südafrika und zwischen den beiden scheint vieles nicht mehr zu stimmen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Steve wirklich mit seiner Familie auswandern möchte, oder nicht lieber seine Familie verlassen möchte, um auszuwandern. „Sie hatte immer Ambitionen für ihn, die er nicht vertrat, die ihm fernlagen.“

Schwierig finde ich die Abschnitte über die Initiationsrituale von Studenten. Einer der Professoren formuliert es sehr richtig und betont, dass es sich für ihn nicht um eine Initiation handelt: die eingeladene „schwarze Putztruppe“ sollte gedemütigt werden und nicht in eine Gemeinschaft aufgenommen werden. Steve verliert sich beim Thema Initiationen in ziemlich philosophische Gedanken, die mich – aufgrund ihrer holprigen und etwas weltfremden Formulierung – schon beinahe amüsiert haben beim Lesen:

„Die Aufrichtung des Wurms, den du zum Pinkeln benutzt, zu einem steifen Stock kommt anscheinend bereits in der Gebärmutter vor, und du kannst sie in der Kindheit herbeiführen, wenn du damit spielst.“

Ich finde es schade, dass Nadine Gordimer Handlungsstränge wie die Schwangerschaft Jabus oder das Fremdgehen von Steve einfach wieder fallen lässt. Sie verlaufen im Sande und werden von anderen abgelöst.

P.S.: Was bitte schön ist ein Twitter-Face-Talk?

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2 Gedanken zu „S. 264 – 304

  1. Ah, danke für die Erklärung. 😉 Irgendwie hatte ich mir das schon gedacht, aber war der Meinung, dass es dann wohl eher Twitter-Facebook-Talk heißen müsste …

    Steve ist in der Tat etwas oldschool in seinen doch verqueren Ansichten und überrascht mich da auch immer wieder. Ich fand seine Gedanken zur Initiation auch unter anderem schwierig, weil für mich die erste Regelung nicht unbedingt eine Initiation sein muss.

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