Erwacht aus dem Freiheitskampf

25. Will Steve nach Australien auswandern, fragt sich Jabu als sie die versteckten Zeitungsausschnitte findet. Steve ist vom korrupten Staat Südafrika enttäuscht, dafür hat er nicht mit den Genossen gekämpft. Zum wiederholten Male wird an Zumas Verdienste und an seine Schande erinnert.

Während eines Urlaubs sprechen Steve und Jabu über die veränderten politischen Zustände. Für Steve ist diese neue Partei chancenlos gegen Zuma. Ihn empört die Wahl des Namens „Congress of people“, diese Bezeichnung trug die Versammlung, die 1955 die Freiheitscharta verabschiedete. Jabu steht der Namenswahl toleranter gegenüber.

Sie sprechen über Australien. Jabu vermutet universitäre Gründe. Aber Steve stören weder die dortigen Vorkommnisse, noch ist er mit seiner Karriere unzufrieden. Er befürchtet eine Diktatur Zumas und sieht die Zukunft seiner Kinder bedroht. Sie beziehen jetzt schon Privilegien und schicken die Kinder auf Privatschulen, damit sie eine bessere Zukunft haben. Australien wäre der nächste Schritt ihres privilegierten Sonderwegs.

Der Anfang dieses Kapitels gefällt mir erzählerisch gut, mündet aber bald wieder in den gewohnten Stil.

26. Australien wird zum Thema am Delphin-Pool. (Apropos Delphine, hier wird deutlich, daß die Erzählerin nur die Schwulen vom Swimmingpool als solche bezeichnet, S. 277) Jake erkundigt sich nach den in Australien gefragten Berufen und beklagt, daß Südafrika so die Gutausgebildeten verliert. Für Anwälte gibt es dort selbstverständlich keine Stellen.

Jabu kündigt an unbedingt mit Baba dieses Thema erörtern zu müssen, was bei Steve Unverständnis auslöst. Erst gegen Ende des Kapitels versteht er, daß seine Frau viel stärker an das Land gebunden ist, sie würde mehr zurücklassen als er. Diese gemeinsame Geschichte ist auch Ursache für die tiefe Übereinstimmung mit ihrem Vater.

Durch die Schilderung der gewalttätigen Erniedrigung schwarzer Arbeiter durch weiße Studenten initiiert erörtert die Autorin im Kopf Steves ausführlich das Thema Initiation. Die Studenten verharmlosen ihre sadistischen Quälereien als Initiationsritus. Von dieser vermeintlichen Initiation, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe manifestiert, springt sie zu Initiationsriten anlässlich der Geschlechtsreife, Beschneidung etc. pp. Es schließt sich dann aber eine sehr biologistische Sichtweise von Initiation an. Weder in der Tierwelt, noch bei hormonell bedingten Vorgängen im menschlichen Körper lässt sich meinem Verständnis nach von Initiationen sprechen, denn diese sind eben nicht bewusst herbei geführt.

Steve sinniert ob sein Eintritt in den Freiheitskampf seine politische Initiation war und denkt im Anschluss an religiöse Initiationsriten, die schließlich in der philosophischen Frage münden, ob ein Penis mit oder ohne Vorhaut besser sei. Seine Frau möchte er allerdings dazu nicht befragen.

Diese war inzwischen in KwaZulu und hat ihrem Baba mitgeteilt, daß sie geht. Ein Verrat an ihm, an dem Land, dem Kampf und sich selbst.

Die Zeitungsausschnitte finde ich sehr anachronistisch. Wer schneidet zu Zeiten des Internets noch Annoncen aus der Zeitung aus? Dass man mal auf die Schnelle etwas herausreißt ist nachvollziehbar, aber zu einem Thema mehrere Ausschnitte fein säuberlich mit der Schere herausschneiden ist doch sehr veraltet. Jabu hätte dies doch auch im Browserverlauf entdecken können. Der Autorin scheinen Computer fremd zu sein.

Inhaltlich seltsam finde ich Äußerungen wie „Hier geboren zu sein reicht nicht…“ S. 289, um die schwächere Bindung Steves an Südafrika zu begründen. Jabus Heimatgefühl erhält so eine Blut- und Bodenaura, die ich bedenklich finde. Ich kenne mich nicht in der Geschichte der Zulu aus, aber es würde mich doch sehr wundern, wenn diese Gruppe jahrtausendelang ohne Migration gelebt hätte. Auch Babas-Sippe kann sich ihres „reinen Blutes“ nicht sicher sein.

Zuletzt zu diesem Kapitel noch eine Verständnisfrage. Was meint der Satz, „Muss sich schützen vor den verknoteten Banden der Natur?“ Bindungen, Bänder?

27. Sindis Geburtstag wird gefeiert mit iPhone, einem hoffentlich koscheren Grillvergnügen, und mit PUTU. Was immer das sein mag.

S. 291 „Jabus Vorschlag IHM gegenüber“ Wieso steht hier ihm, sie telefoniert mit Brenda?

28. In der Universität findet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Recht und Gesetz“ statt, Jabu nimmt daran in afrikanischer Tracht teil. Wieso in afrikanischer Tracht? So etwas gibt es nicht. Sonst achtet dieser Roman stets auf politische Korrektheit.

29. Auf dem Australienseminar trifft Steve nur einen Unikollegen und einen schwarzen Auswanderungswilligen.

S. 298 „Zu den ungeahnten Begleitumständen bei klandestinem Denken und Handeln zählt, dass man nie jemanden hat, mit dem man reden kann.“ Wieso sollten diese ungeahnt sein, im Gegenteil sie sind vorhersehbar.

Nochmals sprechen die Freunde über die rechtlichen Konsequenzen für die Studenten, die die schwarzen Reinigungsarbeiter gequält haben. Jabu fragt nach der Gerechtigkeit für die Opfer und sie beschließen sich dafür einzusetzen, in Jabu erwacht der alte Kampfgeist.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Erwacht aus dem Freiheitskampf

  1. Deine Beobachtung zu den Zeitungsausschnitten finde ich interessant. In der Tat wirkt es ein bisschen altertümlich in der heutigen Zeit und möglicherweise liegt dies daran, dass die Autorin neuen Medien nicht ganz so aufgeschlossen ist (Twitter-Face-Talk). Ich erinnere mich aber auch, dass Steve ein älteres Handymodell besitzt. Vielleicht ist er einfach in mehrerer Hinsicht oldschool. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s