Von Squattern und Epikureern

22. Nach der Rückkehr in den Schoß der Familie befallen Steve Gewissensbisse und Beichtnot. Trotz Warnungen der Erzählerin, beschließt er zu gestehen, verpasst aber den goldenen Moment, d.h. eigentlich verpatzt Jabu ihn, da sie von den Problemen anderer reden muss. Die privaten Schwierigkeiten werden von wichtigen gesellschaftlichen Problemen zurück gedrängt. Jabu spricht von den Flüchtlingen im kirchlichen Auffanglager, von der Gewalt gegen diese. Bei einer Besichtigung des Orts beobachten die Beiden die anscheinend fröhliche Geschäftigkeit der Elenden. Isa vergleicht diese Zustände mit den KZ-Insassen, die sich Musikinstrumente aus Abfall gebaut hätten. Aus diesem historischen Halbwissen entwickelt sich eine sehr krude Diskussion.

Marc berichtet seinen Freunden von einem Squattercamp inmitten bewachter Wohnanlagen. Schon im nächsten Abschnitt stehen sie mittendrin im Elend der Männer aus Simbabwe. Als sie das Areal verlassen kommen ihnen auf schicken Fahrrädern und in Schuluniformen die Abkömmlinge der Privilegierten entgegen, selbstverständlich auch Kinder der schwarzen Mittelschicht, zu der sie ebenfalls zählen.

23. Diese Jungs auf den Fahrrädern besuchen wahrscheinlich ein traditionelles Jungengymnasium, ehemals den Weißen vorbehalten, jetzt allen gut Situierten zugänglich. Auch Gary E. möchte auf eine solche Schule wegen seines besten Freundes.

In der Vorstadt wird es ungemütlich, da sich dort Flüchtlinge aufhalten. Angst und Vorurteile verbreiten sich, die Sündenböcke für die gesellschaftlichen Probleme scheinen gefunden. Wethu ist bereits infiziert, aus ihrem Mund hören wir den entscheidenden Satz: „Alle müssen im eigenen Land bleiben, damit es gut wird, nicht wegrennen.“ S. 248. Warum sie selbst wegrannte aus KwaZulu, danach fragt keiner.

24. Mit einer Podiumsdiskussion in der Universität bringt Gordimer ihren Lesern die zuvor beschriebenen sozialen Probleme theoretisch näher. Wiederrum frage ich mich, warum sie keine politischen Essays verfasst. So wird dies zu einem mühsamen Kapitel, in dem vollkommen unpassende kitschige Aussagen auch ein Plätzchen finden. „Ein weißes Mädchen, dessen schwellende Brüste emphatisch beben.“ S. 257.

Danach wendet sie sich der kleinen Familie zu. Sindi gibt die Antigone „im hiesigen volkstümlichen Idiom dieser Sprache“. Altgriechisch oder Neugriechisch? Jabu verhindert noch ein weiteres Kind. Steve, der Xenophobie im Wörterbuch nachschlägt, leiht sich Epikurtexte, in weiser Voraussicht mit Kommentar.

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