Freiheit als Schmiergeld

Langsam geht es ans Eingemachte (hoffentlich! endlich!): Die nächsten Abschnitte drehen sich um den Vergewaltigungsprozess, der 2006 gegen den heutigen Staatspräsidenten Südafrikas Jacob Zuma geführt worden ist. Angezeigt worden war Zuma von der Tochter eines früheren Kampfgenossen:

Wahrscheinlich logen beide, jedenfalls hatten sie Geschlechtsverkehr – die einzige eingestandene Tatsache. (S. 159.)

Zuma wusste von der Aids-Erkrankung der jungen Frau und gibt sich dem Gespött der Presse und der Öffentlichkeit preis, als er zugibt, sich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr mit der Frau „als, wie er sagte, postkoitale Maßnahme gegen Ansteckung, unter die Dusche“ (S. 159) gestellt zu haben.

Jabu leidet heftig unter der politischen Wirklichkeit, die ihre Ideale und ihre Naivität zermalmt:

Jabu schlägt mit der Faust auf den Tisch, zertrümmert irgendetwas. – Das ist doch nicht zu fassen, dass diese selben Genossen Anführer vergessen hätten, was sie waren, was sie erkämpft haben! Für Freiheit als Bestechung, Freiheit als Schmiergeld. – (S. 158.)

Offensichtlich liefert die Naivität Jabus Gelegenheit, die Entrüstung der Autorin über die nachrevolutionären Verhältnisse auszudrücken. Allerdings hat sie immer noch nicht die Frage beantwortet, die sie selbst zuvor gestellt hat: Warum hat sie angenommen, dass die Revolutionäre, die neuen Politiker anders sein würden als die meisten Politiker und Mächtigen aller Zeiten? Warum sollte gerade Südafrika eine Ausnahme bilden? Sie selbst nennt Korruption im Zusammenhang mit Waffenhandel das „Klischee schlechthin“ (S. 157).

Mir ist nach wie vor unklar, wem und zu welchem Ende Gordimer all dies erzählt.

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