Glanz und Elend der modernen Literatur

Eine kurze Anmerkung zu dem von Bonaventura zitierten Satz:

[…] ein Café, wo sie hinter einer beschlagenen Fensterscheibe saßen und, in einem Punkt einig, einem anderen uneins, immer hingerissen, über das Erlebte diskutierten. (S. 127)

Ja schade, man hätte gerne erfahren, was die beiden sich hier zu erzählen haben. Doch leider sitzen sie hinter einer beschlagenen Fensterscheibe. Insofern ist die Szene mal wieder sehr leserunfreundlich, aber konsequent. Ist  das hinter bewusst platziert, verbiet sich jede inhaltliche Aussage zum Gespräch. Steht man also sozusagen vor der Scheibe, gibt es nur die visuelle Beobachtung: in ihren Gesten erkennt man, sie sind sich in einem Punkt einig, im nächsten nicht.

„Geh, wir haben grobe Sinne.“

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Ein Gedanke zu „Glanz und Elend der modernen Literatur

  1. Das würde die Szene bessern, wenn die Figuren die Erzählerin vor dem Café hätten stehen lassen, was sie aber nicht haben, sondern die Erzählerin hat die distanzierende Scheibe zwischen sich und ihre Figuren erzählt (und nur so ist die Scheibe in die Existenz getreten). Literatur ist nicht die Realität und eine auktoriale Erzählperspektive erlaubt keine Ausreden. Und bei „moderner Literatur“ sind wir damit noch lange nicht angekommen.

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