*9-99 (aus.gelesen)

fast 100 seiten, sicher ein moment, in dem kurz eine persönliche zwischenbilanz (ohne anspruch auf vollständigkeit) des buchs gezogen werden kann.

südafrika, ein thema, das für uns hier in europa nachrichtenwert hat, sonst hat es wenig praktische bedeutung. umso wichtiger/interessanter, daß uns vorgänge in diesem land nahe gebracht werden. gordimer wäre dafür prädestiniert.. wäre, weil – und damit bin ich beim buch – sie genau dies bis jetzt für mich mit diesem buch nicht schafft. mag sein, daß dies auch garnicht ihre absicht war, daß jemand wie ich garnicht zu ihrem leserspektrum gehört, bekennendermaßen gibt sie ja wenig auf das urteil anderer, so wird ihr das egal sein.

das buch fängt mit steve und jabu an, einem gemischtfarbigen, illegalem ehepaar, das im untergrund für die abschaffung der apartheid kämpft. der immorality act wurde 1985 von botha ausser kraft gesetzt, danach war diese ehe legal. zwischen 1985 und dem im letzten abschnitt liegenden problem der einschulung ihrer tochter 2004 liegen also 19 jahre…. irgendwas muss ich da doch übersehen, überlesen haben? oder ist die tochter tatsächlich erst nach über 10 jahren ehe geboren worden (wenn ich von einem einschulungsalter von 6 jahren ausgehe, wie bei uns)?

die zeitskala also. völlig willkürlich und ohne system, kaum zu durchblicken. widersprüchlich. sprünge, die kaum nachzuvollziehen sind. nur die richtung ist klar. immerhin.

die personen: blutleere zombies, ohne empathischen wert. who cares about steve, jabu, andrew (für dessen tod inclusive trauer und beerdigung reichen 22 zeilen) und pauline? einzig baba wäre interessant, weil er wirklich stark war, aber der wird ignoriert. was ist eigentlich in den 19 jahren (oder auch 15 oder auch…) passiert, außer daß steve immer noch seine rolle in der gesellschaft sucht…

überhaupt ist gordimer wieder voll ins weiße milieu abgetaucht, jabu ist immer die einzige schwarze. na ja, die randalierenden studenten dann auch noch….

ich bin kein literaturwissenschaftler, literarische kategorien sind mir fremd. ich beurteile das buch sehr subjektiv als leser, und da fällt es bei mir durch. ein häufig gestammelt wirkender text, ohne fluss und inneren zusammenhalt, sprunghaft und erratisch. wie soll ich mich da heimisch fühlen? soll ich überhaupt? und was von dieser holprigen sprache muss ich der übersetzung anlasten, was der autorin?

das projekt: schon nach wenigen tagen wurden änderungsvorschläge gemacht, weil zumindest einige „paten“ nicht zufrieden waren, geändert wurde leider nichts, auch nicht darüber diskutiert (abgesehen davon, daß es auch keine vernünftige plattform für einen internen informationsaustausch gibt).

viel luft nach oben.

das buch ist noch nicht zu ende.
das lesen muss weiter gehen.

Advertisements

7 Gedanken zu „*9-99 (aus.gelesen)

  1. Ich finde es gut, daß Du diese längst überfällige Meta-Diskussion beginnst.
    In der Tat ist es schade, daß relativ wenig diskutiert wird. Das liegt sicherlich zum Teil an der Form, die es auch für einen Insider unübersichtlich macht. Kein Wunder also, daß Außenstehende kaum in die Kommentarhöhlen finden und dort auch nichts in die Wände ritzen. Um jetzt auch mal in der hier teilweise so beliebten Bildsprache zu bleiben. 😉
    Wenn doch mal jemand vorbeischaut, -hat diejenige jetzt eigentlich die beiden Wochenpreise gewonnen?-, gibt es leider kaum Reaktion. Da und an anderen Stellen fehlt mir die Moderation. So verpuffen leider viele der gestellten Fragen in unseren Beiträgen. Vielleicht bin ich auch mit falschen Vorstellung hier eingestiegen? Leseprojekte leben von der Diskussion nicht von aneinandergereihten Statements.

    Zum Roman kann ich nur so viel sagen, es ist nicht mein Lieblingsroman. Einerseits gefällt mir, daß er den Leser zur Auseinandersetzung zwingt. Andererseits ist mir vieles zu plakativ und wirkt wie politische Missionsliteratur. Eigentlich ein Buch mit viel Diskussionspotential.

    • ich denke mal, damit ist das wesentliche gesagt. mehr lohnt nicht. zumal sich selbst an dieser stelle, der kritik am projekt (und es ist ja nicht die erste), keine diskussion entwickelt, geschweige denn eine reaktion…

  2. Es gibt mindestens zwei Formen von Leseprojekten:
    Während im ersten Fall die Diskussion im Vordergrund steht (Beispiel: http://murakami.japanliteratur.net/), liegt der Schwerpunkt im zweiten auf der Unabhängigkeit der Teilnehmer (Bsp. http://www.unendlicherspass.de): . Beides hat seinen Reiz, nur hatte ich das Projekt eher im zweiten Sinn angekündigt, und einige der Teilnehmer haben gerade wegen dieser Form zugesagt. Übrigens finde ich die Diskussion nicht so mager, wie hier behauptet wird. Die bisher eingebrachten Änderungsvorschläge ziehe ich gern für Folgeprojekte in Betracht. Der erste Buchpreis ist gestern vergeben worden. Büchermaniac freut sich auf Hikikomori. Das zweite Buch verlosen wir am nächsten Montag.

  3. Ich finde, dass du sowohl das Buch als auch das Leseprojekt betreffend, gute Worte gefunden hast, lieber Flatter Satz. Für mich ist dies das erste Leseprojekt dieser Art, ich kenne bisher nur Leserunden aus Bücherforen und erinnere mich an sehr intensive Diskussionen über Tellkamps Turm oder auch Philip Roth.

    Schwierig bei ‚Gordimer lesen‘ finde ich auf jeden Fall die technische Seite, die jede gemeinsame Diskussion schlichtweg fast schon im Keim erstickt. Schade finde ich auch – genauso wie Flatter Satz, dass auf unsere Vorschläge nicht weiter eingegangen wurde. Ich glaube, dass eine Umstellung des Formats (einer von uns übernimmt abwechselnd die Zusammenfassund oder den Diskussionsanstoß) für eine Belebung hätte sorgen können.

    Zu dem Buch fällt mir leider nicht viel Positives ein, ich empfinde es als plakativ, vieles wirkt klischeebeladen und abgedroschen. Besonders die Passagen über Homosexualität. Ich bin gespannt auf die noch ausstehenden Seiten. Unterschätzt habe ich auch, wie zeitintensiv dieses Projekt ist – neben meiner Arbeit und der Pflege meines eigene Blogs – fällt es mir häufig schwer die Energie für den jeweiligen Abschnitt aufzubringen, geschweige denn mich bei einer Diskussion zu beteiligen. Erschwert wird dies sicherlich dadurch, dass ich mich stellenweise mit dem Buch schon sehr quäle …

    Viele Grüße an alle,
    Mara

    P.S.: Glückwunsch an Buechermaniac – ich freue mich sehr für dich und wünsche dir viel Spaß mit ‚Hikikomori‘ (großartig!).

  4. Danke für diese Provokation! Obwohl es ja eigentlich keine Provokation ist, da ich Dir in vielen Punkten nur zustimmen kann. Dass ich bis jetzt noch nicht geantwortet habe, liegt bei mir leider auch am Zeitmangel 😦
    Ich habe aber das Gefühl, dass die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Text auf das komplette Projekt überschwappt. Sicher, auch mir fehlt der Austausch und vor allem eine moderierende Person aber ich will einfach die Hoffnung nicht aufgeben und wie du so schön sagst: das buch ist noch nicht zu ende. das lesen muss weiter gehen. Das interpretiere ich jetzt einfach mal komplett positiv.
    Mir würden größere Abschnitte schon viel helfen. Dieses zerstückelnde Lesen hindert (neben Gordimers Stil an sich) das Lesen erheblich.
    Lieber flattersatz nicht verzagen. Am Ende entwickelt sich die ersehnte Diskussion auf einer unserer Blogs, wenn die Rezensionen veröffentlicht werden 😉

  5. Wie intern angekündigt und als Reaktion auf die obige Kritik ist nun die Kategorie Zwischenbilanz/Die ersten 100 Seiten online, in der alle ihre Leseeindrücke der ersten 100 Seiten bündeln können. Vorangestellt sind drei Fragen, denen gerne weitere hinzugefügt werden können. Auch Flatter Satz „Provokation“ habe ich in diese Kategorie aufgenommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s