Ausgestoßen

Der Tod von Steves Vater kommt plötzlich: Themen, die zuvor in diesem Kapitel verhandelt wurden – Initiativen zur Bildungsreform, die resignierte Haltung Steves –, wischt er mit einem Schlag zur Seite. Er unterbricht die Erzählung. Diese Unmittelbarkeit ist mir durch die Beiträge von Bonaventura und Buzzaldrin erst richtig aufgefallen. Sie erscheint mir jedoch ziemlich schlüssig: Der Tod wartet nicht auf eine gute Gelegenheit, und ganz sicher wartet er nicht höflich das Ende eines Absatzes ab.

Die anschließende Beerdigunsszene endet mit Jabus Lied : „Unbefangen erhebt sie sich, um für ihn zu singen“. Ihr gelingt es für einen Augenblick, eine Brücke zum Rest der Familie zu schlagen. Die versammelte Trauergemeinschaft reagiert spontan mit Rührung, eine selten auftretende Regung, zu der allerdings kaum einer der Anwesenden stehen kann. Stattdessen, gleichsam als Rache für den ihnen zugefügten Gefühlsausbruch, verhärten sich die Hierarchien. In einem kollektiv zu nennenden Überlegenheitsgestus wird Jabu aus dieser Ingroup gutbürgerlicher Weißer ausgestoßen und mit allen Schwarzen, „ob Bauer oder Anwältin“ über einen Kamm geschoren: eines (implizit: wenn auch sonst nichts) können sie: singen.

Das lässt mich noch mal an das Bar Mizwa aus Abschnitt 7 denken, an den Satz „Sie ist die einzige schwarze Frau, ja.“ Als würde der Chor der Versammelten den gefüllten Raum überblicken, eine Differenz (die einzige) bemerken und darüber sein Urteil fällen: Ja. Sie gehört nicht dazu.

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