It’s a Boy

Von Revolution, Baby bis It’s a Boy benötigt Gordimer nur neun Seiten. Jabu entschließt sich, die Lehrerlaufbahn aufzugeben, um noch einmal zu studieren. Anwältin der Entrechteten scheint ihr die logische Fortsetzung ihres Kampfes. Die Familienplanung muss warten. Sie will sich nicht um weitere Kinder kümmern, sondern um alle Schutzbedürftigen, entgegen den Erwartungen ihres Clans.

Doch als ihre Karriere gerade anläuft, empfindet sie den dringenden Zweitkindwunsch. Diesen erklärt Gordimer noch aus der feministischen Perspektive. Jabu will demonstrieren, daß es möglich ist eine vollwertige Frau zu sein und zugleich beruflich erfolgreich. Diesem Motiv widerspricht allerdings ihr dringender Wunsch nach einem männlichen Kind, dem sie aufgrund des Geschlechts ein einfacheres Leben prophezeit. Was, wenn ein Delphin rausspringt?

Klischee gegen Klischee?

Allmählich frage ich mich, ob Gordimer will, daß wir uns über ihre Geschichte ärgern?

Lässt sie ihre Hauptfiguren in Klischees denken, damit dem Leser bewusst werden soll, daß etwas nicht stimmt mit diesen Gedanken und diesem Verhalten kurz mit der modernen Gesellschaft Südafrikas?

Wenn das so ist, habe ich ein großes Problem mit der Glaubhaftigkeit dieser Charaktere. Warum denkt ein weißer Freiheitskämpfer derart rassistische Dinge über das Haar der Schwarzen? Wieso hintergeht eine gebildete Ex-Genossin ihren Mann um die volle Erfüllung der Frau als Sohnesmutter zu erfahren?

Ganz abgesehen von dem Klischee, daß Frauen ihren Kinderwunsch gegenüber dem Partner durchsetzen, indem sie die Pille weglassen.

Gordimer schreibt gegen Klischees und Stereotype an, indem sie selbst solche verwendet. Um nicht schon wieder die Delphinmänner und ihren Lieblingsort, – das könnte man nach diesen Kapitel zweifach deuten-, anzuführen, sei diesmal auf die kiffenden Studenten verwiesen. Jabu denkt an ihre Studentenzeit, da benötigte sie beim Lesen keinen klaren Kopf und konnte Gras rauchen. Einige Seiten vorher teilte uns der Erzähler mit, daß die Studenten Bier und Gras bevorzugt hätten. Welche Vorstellung hat der Erzähler von Studenten und vom Lesen?

Das Interview mit Gordimer lässt vermuten, daß diese Klischees nicht ihre sein können.

Umso mehr frage ich mich, ob diese Art von Gesellschaftskritik im Roman funktioniert?

Advertisements

Ein Gedanke zu „It’s a Boy

  1. Pingback: Einsame Entscheidungen | Gordimer Lesen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s