S. 48 – 55

Im Mittelpunkt zu Beginn des sechsten Abschnitts stehen Sprache und Identität. Steve möchte von seiner Frau isiZulu lernen: „Welche Sprache sollte er sonst lernen, es war ihre.“ Es folgt in diesem Zusammenhang auch ein Blick in die Vergangenheit: mit seinen Genossen in den Kadern hat Steve sich auch ohne Worte verständigen können. Ich habe Steves plötzlichen Wunsch die afrikanische Sprache zu lernen als nicht unbedingt authentisch empfunden. Auch im sechsten Abschnitt wird mir Jabus Mann einfach nicht sympathisch, gestolpert bin ich auch über die Aussage „er ist ein Weißer, der seine Identität verdient hat […]“. Steve wirkt auf mich wenig dynamisch, stattdessen steif und unflexibel. Nicht nur zu Steve, auch zu den anderen Figuren war es mir noch nicht möglich eine Bindung aufzubauen.

Im weiteren Verlauf des Abschnitts erfahren wir etwas über die Verhältnisse in Südafrika nach der Zeit der Apartheid. Erneut werden die Schutztruppen („Alterwatch“) erwähnt, die eingerichtet wurden, um den privaten Besitz zu verteidigen und zu schützen.

Am Ende dieses Abschnitts fällt es mir schwer Nadine Gordimer zu folgen. Ich finde keinen sicheren Stand in dem Buch, es tun sich immer wieder Lücken auf, es ergeben sich Dinge und Zusammenhänge die ich nicht verstehen oder einordnen kann. Es sind Wörter wie Genossen und Kader, über die ich immer wieder stolpere und unter denen ich mir nichts vorstellen kann.

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4 Gedanken zu „S. 48 – 55

  1. Liebe Mara, was bin ich erleichtert, dass es dir zum Ende hin ähnlich ging wie mir. In solchen Momenten des Nichtverstehens kommen mir doch Zweifel, was meinen Kopf betrifft. O lala. Ja, wirklich. Geht’s dir auch so? Seltsamerweise denkt man ja oft, man muss alles verstehen, was man liest. Anfangs habe ich dann wie verrückt ganze Passagen nochmal gelesen und nochmal, aber irgendwie haute der Faden immer wieder ab. Ich war wie eine Katze, die der Schnur hinterlief, japste und miaute. Und am Ende hielt ich bloß Luft in meinen Pfoten. Nein, es ist nicht mein Kopf, wie anfangs vermutet, es sind die Zusammenhänge, die sich nicht zusammenführen lassen, weil da leere Lücken stehen und mich hämisch angrinsen. Du sagst es! Nun kann ich jedenfalls aufatmen und danke dir. Wofür? Dass du das angesprochen hast, was mir ebenfalls auf der Seele lag (siehe über deinem Beitrag) und ich mich nicht allein fühle. Ziehen wir also an der gleichen Schnur und lassen uns nicht los. ; ) LG, Klappentexterin

  2. Liebe Klappentexterin,
    und was bin ich erleichtert zu erfahren, dass es mir mit diesem Gefühl nicht allein so geht. Ich fürchte mich stellenweise schon fast ein bisschen davor zu schreiben, dass ich etwas nicht verstanden habe, dass sich im Text für mich plötzlich kratergroße Löcher und Lücken auftun. Auch ich habe den sechsten Abschnitt mehrere Male gelesen, besonders das Ende des Abschnitts. Immer wieder. Aus Angst etwas zu übersehen, zu überlesen. Ich mag dein Bild der hämisch grinsenden leeren Lücken – so erging es mir mit dem heutigen Abschnitt.
    Ich hoffe, dass wir beide diese Lücken irgendwie umkurven können und bald ein etwas sicheren Stand in der Geschichte finden werden.
    Viele Grüße
    Mara

  3. Pingback: S. 48 – 55 (Bibliophilins Notizen) | Gordimer Lesen

  4. Hallo Ihr beiden,
    schön, dass ich hier Gleichgesinnte finde. Auch ich freu mich über jede Zeile, die mich der Geschichte näher bringt und die ich nachvollziehen kann. Ich konzentriere mich daher ganz darauf und hoffe, dass ich den Sinn des Rests durch Euch oder spätere Erklärungen nachvollziehen kann. Ehrlich gesagt, bekomme ich ganz weiche Knie, wenn ich den dicken Wälzer sehe. Habe jetzt schon Angst, dass ich das Buch, ohne viel Verständnis für den Text, zuklappen werde.

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