* 48-55 Da war sie wieder: die Nebelwand.

Sindiswa ist eine Brücke, die eine sprachliche Verbindung zwischen dem Nichtschwarzen und dem Schwarzen schafft. Sie ist es, die ihren Vater anstößt, die Sprache der Mutter lernen zu wollen. Er will nicht draußen stehen bleiben, taub und unwissend, wenn Jabu ihrer Tochter etwas auf isiZulu erzählt. An einer Stelle sagt Steve: „Ich bin kein Ausländer.“ Und doch fühlt es sich in solchen Momenten genauso an, wenn die Mutter ihrer Tochter etwas in der anderen Sprache erzählt. Daran sieht man die Teilung des Landes, in Nichtschwarz und Schwarz, die es nach wie vor gibt.

Der zweite Teil dieses Abschnitts ist reines Kauderwelsch für mich. Ich lese viel und verstehe wenig. Die Nebelwand vor meinem Kopf verschwindet nicht. Es ist mir ein bisschen peinlich. Ehrlich gesagt, habe ich eine Weile überlegt, ob ich das so offen sagen kann und diese Beobachtung mein stilles Kämmerlein verlassen darf. Aber so ist es, warum soll ich das schönreden? Die folgenden Sätze fordern viel Konzentration, die ich derzeit wohl nicht bieten kann. Statt mich darüber zu ärgern, lese ich einfach weiter und hoffe, dass die Nebelwand mit dem nächsten Abschnitt verschwindet. Vor einigen Tagen hätte ich mich daran aufgerieben, jetzt nehme ich es an, weil ich Seiten wie diese schon kenne. Manches ist bei Nadine Gordimer eben glasklar und anderes verborgen, verpackt in einem Dschungel aus Wörtern und Beschreibungen, die mich vor lauter Unwissenheit wahnsinnig machen können, bisweilen hölzern sind und pieksen, mal wohlwollend und mal unangenehm.

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4 Gedanken zu „* 48-55 Da war sie wieder: die Nebelwand.

  1. Pingback: S. 48 – 55 (Bibliophilins Notizen) | Gordimer Lesen

  2. Pingback: Das Paradox der Freiheit | Gordimer Lesen

  3. weißt du, liebe klappentexterin, ich halte mich in diesen „kauderwelsch“-fällen an montaigne: “ Wenn ich beim Lesen eine schwere Stelle finde, die ich nicht verstehen kann, so beiße ich mir deswegen die Nägel nicht ab, sondern lasse es, nachdem ich sie ein- oder ein paarmal beleuchet habe, dabei bewenden. … was er [ der Kopf] nicht im ersten Anlauf lernt, das lernt er noch weniger, wenn er angestrengt wird. Ich tue nichts ohne Frohsinn… Werde ich eines Buches überdrüssig, so leg´ ich´s weg und nehme ein andres…“ [aus: Über Bücher, in: Über die Freundschaft, Insel-Verlag, 2008]

  4. Lieber flattersatz, was hast du mir für ein feines Zitat mitgebracht?! Und wenn es selbst Montaigne schon so ergangen ist, muss es mir nun gar nicht unangenehm sein. Also, herzlich lieben Dank dafür!

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