Die Last der Toleranz

Dem Abschnitt über Jabuliles Vater folgt seitenwendend einer über Andrew Reed, Steves Vater. Der hat es schwer mit seinen Söhnen. Steves Heirat mit einer Schwarzen kann er wenigstens noch einigermaßen nachvollziehen: Jabulile ist ohne Frage intelligent und anziehend, auch wenn es Andrew selbst (angeblich) nie nach einer schwarzen Frau gelüstet hat. Und Andrew selbst ist ja auch aus seiner katholischen Art geschlagen und hat eine Jüdin geheiratet. Aber was Alan angeht, so strapaziert dessen Homosexualität die väterlichen Nachsicht doch sehr und dessen sexuelle Phantasie noch mehr: Sich mit einer Schwarzen paaren, das mag noch angehen, aber „in den Ausscheidungsort der Scheiße“ (ein Ausdruck, der im englischsprachigen Original hinter der Hohlhand einer Klammer verborgen steht) einzudringen, ist zuviel des Schlechten.

Immerhin rettet er sich in beiden Fällen mit Hilfe einer Phrase in die Zone der gesellschaftlich erwarteten Toleranz: „Solang er glücklich ist.“

Wir sind immer noch in der Exposition des Romans: Nachdem wir wissen, wem wir unsere Aufmerksamkeit in der Hauptsache widmen sollen, und uns das Grundthema des „Lebens danach“ mitgeteilt wurde, werden derzeit Randfiguren charakterisiert und die Vorgeschichten der beiden durch Jabulile und Steve miteinander verknüpften Familien eingeholt. So weit alles ganz brav, aber eben auch nicht weiter bewegend. Ich bin gespannt, wann Gordimer wohl mit dem Erzählen anfangen wird.

„Mein guter Herr, Ihr seht die Sachen,
Wie man die Sachen eben sieht;
Wir müssen das gescheiter machen,
Eh uns des Lebens Freude flieht.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s