Let’s not talk about politcs

Wortungetüme, gehemmter Lesefluss, Kommaflut: Kritikpunkte, die ich nachvollziehen kann, dennoch frage mich, ob der Text nicht mimetisch die Zustände im Südafrika nach der Apartheid beschreibt.

Da ist zunächst die Diskrepanz zwischen Abstraktem und Konkretem. Hehre Worte harren im Alltag auf ihre Verwirklichung. Die (oft auch hässlichen) Worthülsen halten einem Vergleich mit den tatsächlich herrschenden Verhältnissen nicht stand. So wird etwa die verfassungsmäßig verordnete Gleichheit noch längst nicht gelebt: Man möchte in Freiheit zusammenleben, organisiert aber Schutztrupps, um die eigene Sicherheit zu garantieren.

Eine Verfassung zu haben, das genügt leider nicht. Das wiederholt gebrauchte Bild vom Möblieren eines neuen Hauses illustriert dies: allein Sofas, Couchtische oder Bücherschränke zu arrangieren, schafft noch kein neues Zuhause. Genausowenig genügt es, Regeln und Gesetze aufzustellen,  – entweder man schafft es, die neuen Arrangements mit Leben zu füllen,  (etwa, indem man anfängt, wenigstens im Familienkreis auch über Politik zu reden), oder ein Scheitern ist vorprogrammiert. Oder man arrangiert sich auf niedrigem Niveau: Das Ideal ist der Dichter, die Realität der Werbetexter.

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Ein Gedanke zu „Let’s not talk about politcs

  1. Sehr interessante Gedanken zu diesem Abschnitt. Das Ausblenden von politischen Diskussionen war mir in meiner Zusammenfassung ja bereits auch aufgefallen. Die Erwähnung der Schutztrupps finde ich interessant. Steve zweifelt daran, ob diese Sinn machen, aber dass es sie gibt macht deutlich, dass trotz neuer Verfassungen und Gesetze ein friedliches Zusammenleben nicht garantiert ist.

    Über den Dichter und Werbetexter musste ich noch eine ganze Weile nachdenken. Nadine Gordimer geht an dieser Stelle in gewisser Weise auch sehr schonungslos mit ihren eigenen Figuren um (etwas ähnliches spricht ja auch Bonaventura an).

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