* 26-37 (aus.gelesen)

I.

Ist der Kampf zu Ende, bzw. hat ein Etappenziel erreicht, ist der Kämpfer ohne Heimat bzw. er muss sich ein neues Ziel setzen. In dieser Sinnkrise befindet sich Steve unvermindert, sich ein Beispiel an Juba nehmend bewirbt er sich um eine Stelle an der Universität. Junge Menschen für ein neues Südafrika zu unterrichten scheint ihm eine Möglichkeit, weiterhin an der Zukunft des Landes zu arbeiten. Was er momentan leistet, reicht dies als „Rechtfertigung eines Lebens„?

Die Normalität, in die das junge Paar privat hineinwächst, ist noch dünn, trägt noch nicht wirklich. Die beiden stellen ihre Partner den jeweiligen Eltern vor, dies geht ohne Probleme, doch vermeidet man strikt, über politisches zu reden. Einzig mit Alan, einem seiner zwei Brüder, kann auch politisches diskutiert werden. Alan hat seinen eigenen Kampf gegen die ganz persönliche Diskriminierung, die er als Homosexuelle zu erdulden hatte, ausgefochten. Die gemeinsame Tochter Sindiswa ist für die Familie ein Abkömmling des neuen Zeitalters.

Ansonsten läuft die Entwicklung auf eine „bürgerlichen Mittelstand“ weitab von der Klandestinität früherer Zeiten hinaus, bis hin zur Schutzstreife, die in der Siedlung eingerichtet wird….

II.

Die im letzten Abschnitt angefangene Schilderung der neuen Lebensumstände nach der Abschaffung der Rassentrennung wird weitergeführt. Auf diesen Seiten widmet sich Gordimer insbesondere den Familie(n), die jetzt erst erfahren, daß ihre jeweiligen Kinder verheiratet sind. Die Tochter Sindiswa wird zum Symbol des neuen Anfangs.

Alan ist einer der drei Reed-Brüder, mit ihm können ansonsten zu vermeidende politische Diskussionen geführt werden. Gordimer nutzt diese, einen neuen Aspekt in den Roman einzubringen: dadurch, daß sie reale Personen (Mbeki, Mandela) einführt, gewinnt der Text eine dokumentarische Dimension. Es wird Kritik geäußert, bzw. ein Aufgabenkatalog wird für die Politik formuliert. Insbesondere auch die abenteuerlichen Ansichten von Mbeki über AIDS werden kritisiert. Poltische Erkenntnis ist, daß Gleichberechtigung erst dann erreicht ist, wenn Schwarze ganz selbstverständlich in die Chefetagen der Unternehmen aufsteigen.

Zum Schluss deutet Gordimer an, daß auch in den eigenen Köpfen Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist. Das Einladen zum und der Sitzplatz beim Sonntagessen wird von Alan für sich und Jabu als „tätige Nächstenliebe“ im Sinne einer uralten jüdischen Tradition kommentiert und nicht als Treffen von Gleichen unter Gleichen.

III.

Die Zeitdimension ist mir nicht klar. Wenn Gordimer davon redet, daß Mbeki sich hält (an der Regierungsspitze?), dann muss es mittlerweile > 1999 sein, denn bis dahin war Mandela Präsident.

IV

A luta continua,
lautet das Bekenntnis. Die
Schlacht ist gewonnen; aber sie geht weiter in der
praktischen Umsetzung des Abstrakten,
des großen Wortes,
Gerechtigkeit für alle.

V: Infos

Wiki-Artikel zu Mbeki
Wiki-Artikel zu Mandela
Wiki-Artikel zu „Homosexualität in Südafrika

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4 Gedanken zu „* 26-37 (aus.gelesen)

  1. Danke für die hilfreichen Links zu den Wikipediaartikeln. Ich habe den Abschnitt gerade gelesen und mich an meine Zusammenfassung gesetzt, da helfen diese zusätzlichen Zeitdimensionen.

    Ich fand diesen Abschnitt interessant, aber auch sehr schwierig, was sicherlich an diesen ganzen politischen Erwähnungen und meinem Nicht-Wissen über südafrikanische Geschichte liegt. Ähnlich wie dir ist mir nicht klar, in welcher Zeit das Buch spielt. Wenn sie zu Beginn der Geschichte illegal zusammenlebten, muss es sich ja um einen Zeitraum vor 1985 gehandelt haben, oder? Und nun sind wir schon im Jahr 2000? Da kann ich einfach irgendwie nicht mehr ganz folgen …

    • na, ich denke, ganz so weit vllt nicht zurück, die apartheidspolitik ist doch so zwischen 1990 und 94 zurückgefahren und abgebaut worden, oder täusch ich mich da? aber die frage bleibt…

  2. Lieber Flattersatz,

    ich zeichne mich leider wirklich durch völlige Unkenntnis aus und habe keine Ahnung. Mit der Zahl 1985 bezog ich mich auf einen Wikipediaartikel über das ‚Unsittlichkeitsgesetz‘: „Im Jahre 1985 wurden der Immorality Act sowie das „Gesetz zum Verbot der Mischehen“ von Pieter Botha außer Kraft gesetzt.“

    Diese Unklarheit was den zeitlichen Handlungsspielraum betrifft ist für mich immer wieder verwirren und ich hoffe auf mehr Klarheit in den nächsten Abschnitt.

    • du, datenn etc schöpfe ich auch nur ab.. bei prozessualen vorgängen, die sukzessive laufen, ist es immer auch eine willkürliche entscheidung, wenn man festlegt: an dem datum hat es damit begonnen…. wir in europa sind da weit vom schuss, in irgendeinem der kommentare steht das ja auch, (süd)afrikanische leser werden da weniger schwierigkeiten haben…

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