Umzug in die Bürgerlichkeit

Ich bin enttäuscht: Rebeccas Ehemann heißt Steve, nicht Isaak! Ich hatte mich schon eingerichtet darauf, dass Rebecca Elieser den Krug reicht und anschließend seine Kamele tränkt. Es ist eben kein Verlass auf die zeitgenössischen Autoren. 😉

Die Revolutionäre werden also bürgerlich: Da der Zusammenhalt der alten Kampfgemeinschaft der Genossen zu schwinden beginnt und man sonst niemanden kennt, gründet man eine Kolonie. Man zieht dazu in die von den ehemaligen Unterdrückern verlassene Vorstadt, was wahrscheinlich keine so gute Idee ist. Aber man hat überhaupt, so scheint es, keinen Vorrat an guten Ideen für die Zeit nach der Revolution und nimmt sich auch keine Zeit, welche zu entwickeln.

Steve wenigstens fällt nicht viel mehr ein, als das Lebenskonzept seiner Eltern zu kopieren. Sicherlich, er ist etwas väterlicher mit seiner Tochter als es sein Vater mit ihm war, er engagiert sich in seiner Freizeit für die Rechte anderer, aber er kehrt zurück ins vorstädtische Eigenheim, noch dazu in eines, aus dem das Elend hervorgegangen ist, das er zu bekämpfen ausgezogen war.

Rebecca folgt Steve in dieses ihr fremde Leben (wenigstens das hat sie mit Isaaks Rebecca gemeinsam); sie weiß, dass sie nicht fort will aus dem, woher sie beide gekommen sind (und damit ist ganz sicher nicht nur Glengrove Place gemeint), aber sie weiß auch, dass sie nicht bleiben können, wo sie waren, und sie hat keine Alternative anzubieten. „Wie es ist, ist es geworden, gerade deshalb ändert’s sich.“ (Nein, das ist nicht von Nadine Gordimer.)

Zurzeit befürchte ich, dass hier einmal mehr der Mangelzustand der bürgerlichen Existenz durch den literarischen Wolf gedreht werden wird.

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3 Gedanken zu „Umzug in die Bürgerlichkeit

  1. Ein überspitzt formulierter Eindruck, ich habe mich heute morgen schon darüber amüsiert. 😉

    Gordimer will überdeutlich herausstellen, daß die Beiden nun Teil einer vermeintlich freien bohemeartigen Gemeinschaft, s. säkularisierte schwule Poolkapelle, werden. Wie Du frage auch ich mich, ob das gutgehen wird.

  2. Pingback: Am Ende der Parabel | Gordimer Lesen

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