S. 12 – 26

Zu Beginn des zweiten Abschnitts wird klar, dass der Buchtitel „Keine Zeit wie diese“ (im Original: No Time Like The Present) nicht ohne Grund gewählt wurde. Nadine Gordimer macht den Titel zu einer eingängigen Phrase, die wie in einem antiken Chor immer wieder aufgegriffen und wiederholt wird. Als eine sehr wichtige, zentrale, Stelle empfand ich die folgende:

„Es gab ein Pleistozän, eine Bronzezeit, eine Eisenzeit.

Es schien, als sei ein Zeitalter zu Ende gegangen. Gewiss war es nichts Geringeres als eine neue Zeit, in der das Gesetz nicht nach Farbpigmenten gemacht wird und alle in einem Land, das gemeinhin ihres ist, überall leben, sich bewegen, arbeiten dürfen. Etwas mit dem konventionellen Titel ‚Verfassung‘ hat diese neue Zeit eingeläutet.“

Auch wenn immer wieder betont wird, dass eine neue Zeit eingeläutet worden ist, wird an diesem Zitat deutlich, dass die Schatten der Vergangenheit nicht so leicht abzuschütteln sind.

Man erfährt nun auch, dass der Mann von Jabubile Steve heißt. Steve und Jabubile können in dieser neuen Zeit ein scheinbar normales Leben führen: sie können zusammen ausgehen, im Hotel übernachten und ihre Tochter Sindiswa in einer Klinik bekommen, von der sie früher nicht aufgenommen worden wären. 1985 wurden die Unsittlichkeitsgesetze abgeschafft und beide scheinen den Sprung von der einen in die andere Zeit zu ihrem Vorteil geschafft zu haben. Steve hat eine jüdische Mutter und einen christlichen Vater, während Jabubiles Eltern der methodistischen Glaubensrichtung entstammen: eine chaotische Mischung, die die Möglichkeiten des neuen Südafrikas kennzeichnet.

Jabubile macht ein Fernstudium und genießt ihr Leben, während Steve immer wieder hadert. Früher hat er Sprengstoff hergestellt und war politisch aktiv. Seine Sehnsucht nach weißen Privilegien ist immer noch in ihm angelegt.

„Als ein mit allen Vorteilen gesegnetes Kind hatte er mit seinem Vater Bäume in Baumschulen gepflanzt und gelernt, botanische Namen mit bestimmten Stämmen, Blättern, Rinden zu verknüpfen. Sie hingegen hatte auf den Spaziergängen mit ihrer Großmutter in den Wäldern von Zululand gelernt, welche wilden Früchte essbar sind und schmecken.“

Die Unterschiede in der Herkunft und im Aufwachsen zwischen Steve und Jabubile werden an kleinen Begebenheiten immer wieder deutlich.

„Jetzt ist alles danach“ ist übrigens eine weitere Phrase, die immer wieder wiederholt wird. Jetzt ist alles danach bedeutet für Steve und Jabubile auch, dass sie Glengrove Place – den Ort, der sie aufnahm, als niemand sie haben wollte und duldete – verlassen können und an einen der von den Buren verlassenen Vororte ziehen.

Auch in diesem Abschnitt habe ich mich stellenweise wie auf dem offenen Meer gefühlt, ohne Sicherheitsnetz. Viele erwähnte Begriffe und Zusammenhänge sagen mir nichts. Es werden Angola und Kuba erwähnt, zwischendurch fällt ein Satz wie „ware Burenvorort, kein Zutritt für Kaffer zum Altar der Apartheid“. Nadine Gordimer setzt bei ihren Lesern viel Wissen über die südafrikanische Geschichte voraus.

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