Das Versteck verlassen

Das Ende der Apartheid ist erreicht, die Ungleichheit zwischen Menschen schwarzer und weißer Hautfarbe, zwischen den Nachkommen von Kolonialherren und Kolonisierten ist vorüber. Auch Steve und Jabulile können uneingeschränkt leben. Steve, der einstige Regimekritiker, der sein naturwissenschaftliches Wissen im Kampf einsetzte und seine Tätigkeit als Chemiker mehr als Tarnung denn als Berufung empfand, fühlt sich allerdings in diesem gefangen. Um so mehr als die Verantwortung für Kind und Familie auf ihm liegt. Ohne den revolutionären Kampf und dem unterschwelligen Bewusstsein des Verbotenen fehlt ihm die Motivation für den Alltagsberuf.

Die neue Ära ermöglicht Steve und Jabu neue Lebensumstände. Sie können ihr Versteck in Glengrove Place verlassen, an einen Ort ziehen, der sich von allen Restriktionen befreit hat. Doch auch hier in diesem einstigen Burenviertel, das jetzt von einer unkonventionellen schwarz-weißen Mittelstandsschicht bewohnt wird, spürt Jake immer noch die Unterschiede. Er war weder Opfer, noch schwarzer Kämpfer, er war privilegierter Afrikaans, der sein Wissen in den Dienst der Revolution gestellt hatte. Doch dies war für ihn nicht lebensnotwenig. Dieses Motiv der unterschiedlichen Motivation wiederholt Gordimer indem sie auf die Kindheit ihrer Figuren verweist. Während Jabus Wissen um wildwachsende Pflanzen eine Notwendigkeit war, sind Steves botanische Kenntnisse Bildungswissen. Steve ist ein Kind der weißen Oberschicht, trotz seines revolutionären Kampfes, auch Jabu spürt dies.

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Zum Teil mag ich diesen Stil sehr, dieses Knappe, nicht alles auserzählen und beschreiben zu wollen. Manchmal wirkt er aber auch drehbuchartig und sehr sprunghaft. Von den Überlegungen zum Milieu des neuen Wohnorts geht es übergangslos zu neuen Möbeln und Vorhängen.

Was mir nicht gefällt ist der allwissende, kommentierende Erzähler, z.B. „Hoffentlich kommt ihm nicht diese Geschichte in den Sinn“ S. 17; „…die Kirche wollte euch nicht trauen,…“ S. 25. Aber das gilt nicht nur für diesen Roman.

Außerdem wird der schwule Kirchenpool ziemlich todgeritten. Die erste Erwähnung amüsierte mich, die nachfolgenden drei Wiederholungen auf insgesamt acht Seiten fand ich ermüdend. So schlecht ist mein Gedächtnis nicht.

Bis auf diese kleinen Einschränkungen gefällt mir dieser Abschnitt ganz gut. Die Geschichte beginnt mich zu interessieren.

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