* S. 12-26 (aus.gelesen)

I.

Zwischen 1990 und 1994, der ersten freien Wahl, auf der Nelson Mandela zum Präsidenten gewählt worden war, wurde die Apartheitspolitik in Südafrika sukzessive aufgegeben. Um diese Zeit spielt die Handlung, für die farbige Bevölkerung gelten jetzt die gleichen Gesetze wie für die weiße. Damit entwickelt sich auch Normalität, die vorher nicht vorhanden war, der klandestine Untergrund dagegen löst sich auf: Namensschilder an Türen, normales Freizeitverhalten, Krankenhäuser nehmen auch farbige Frauen auf. Der Wunsch nach einem Heim für die Familie wird wach, die verbindende Klammer des Untergrundkampfes zwischen den Genossen dagegen wird brüchig. Die Angst vor dem, was kommt, wird spürbar, in Juba steigt am Tag des Umzugs Panik auf: Ich will nicht.

II.

Erwähnung verschiedener Erdzeitalter: Der Mensch erschien im Holozän (als Assoziation): ähnlich erscheint nach Ende der Apartheid der Unterdrückte als Mensch auf der Bühne des täglichen, normalen Lebens….. Normalisierung der Verhältnisse als Ergebnis eines/des Kampfes, solange der Kampf anhielt, hatte der Einzelne sich diesem unterzuordnen, war er als Individuum zweitrangig. Jetzt, nach dem Kampf, tritt das Individuum wieder hervor.

Normalisierung der Verhältnisse: Grillparties bei Freunden, singende Männer in String-Tangas tollen in Pools umher: Vor diesem komischen Haus, das aussieht wie eine Kirche? Dort tanzen ein paar Typen um einen Minipool herum. – Es war eine Kirche; wir sind hier in einem alten ware Burenvorort, kein Zutritt für Kaffer zum Altar der Apartheid, blankes alleen. – Wer sind die ausgelassenen neuen Besitzer? – Pierre beantwortet jedermanns Fragen. – Das ist eine unserer Schwulenfamilien. – Frage: Wo sind die Altbewohner dieser Siedlung, die Afrikaaner?

Seine Geschichte: Er gab seiner Tätigkeit in einer Chemiefabrik als Teil des Untergrundkampfes einen Sinn, so ist dieser Sinn für ihn fraglich, wenn er nur noch und tatsächlich als Industriechemiker arbeitet, wenn die Tarnung seine Realität geworden ist. Um wenigstens etwas zu tun, engagiert er sich ehrenamtlich in einer Kommission zur Landrückgabe.

Mit dem Ende des Kampfes fällt auch das verbindende Band mit den Genossen: „…ob er die Intimität mit Genossen, die in Haft oder im Busch das Überleben bedeutet hat, tatsächlich verlängern will…“ weiß er nicht….“

Ihre Geschichte: Auch das Verhältnis zur seiner Frau ändert sich, sie studiert, ist ebenfalls ehrenamtlich tätig, ferner ist die kleine Tochter da, entbunden in einem Krankenhaus, in das sie vorher nie hineingekommen wären. Zwischen beiden herrscht „kameradschaftliches Schweigen“, die normalen Wünsche normaler Paare tauchen auf, vor allem bei ihm, der aus solchen Verhältnissen stammt: der (bürgerliche) Wunsch nach einem Haus wird wach: „…Man weiß nie, wann die Fallstricke eines überholten Lebens, die man abgeschüttelt glaubt, unbemerkt zurückkehren: Bestimmte Privilegien der weißen Vororte, in denen er aufgewachsen ist, holen ihn unversehens wieder ein…“ 

Steve und Juba sind unterschiedlich sozialisiert worden: „Als ein mit allen Vorteilen gesegnetes Kind hatte er mit seinem Vater Bäume in Baumschulen gepflanzt und gelernt, botanische Namen mit bestimmten Stämmen, Blättern, Rinden zu verknüpfen. Sie hingegen hatte auf den Spaziergängen mit ihrer Großmutter in den Wäldern von Zululand gelernt, welche wilden Früchte essbar sind und schmecken.“ Er hatte sich elitäres Wissen angeeignet, sie sich Kenntnisse, um zu überleben….

Die versteckte Diskriminierung: Sie finden mit Hilfe ihrer Freunde ein Haus und bekommen auch einen Mietvertrag, weil dem Vermieter versichert wird, daß sie, die neuen Bewohner – obwohl die Frau schwarz ist – die Wohnung sicher nicht an Einwanderer aus Nachbarstaaten weitervermieten… darunter würde der Wert der Immobilie leiden… auch die Entstehung neuer Abhängigkeiten: die unerfahrenen Farbigen kaufen auf Kredit, er, der Weiße, kauft nur das, was er bar bezahlen kann…

Die Sinnfrage taucht auf. Bis jetzt war der Widerstand, der Kampf das beherrschende Moment im Leben der Protagonisten. Vergangenheit….“ .. Jetzt ist alles danach…. Was sie damals getan haben … es kann doch
 nicht die Summe der Lebenserfahrung sein? … Sie sind alle jung, und doch ist es, als wären sie alte Männer, die in der Vergangenheit leben; dort ist alles passiert.“

III.

Manche Formulierungen/Sätze verstehe ich schlicht und einfach nicht… :

Während er Sindiswa auf dem Weg ins Bett hoch durch die Luft fliegen lässt (vom Vatersein hat die ältere Generation, ob weiß oder schwarz, sich abgesondert)…

schließlich dürfe der Immobilienwert nicht durch eine lärmende Nachbarschaft geschmälert werden, war die Miete nicht unbezahlbar höher, als die Wohnung gewesen war.

IV.

Sehnsucht nach damals

Zurücklassen, ein Tropfen im Raum. Von dem Ort, der sie aufgenommen
 hat, als sie nirgendwo unterkamen, als niemand ihnen
 erlaubte, als Mann und Frau zusammen zu sein. Das klandestine
Leben ist das kostbare Geheimnis, das Gesetz hat es nicht erlaubt,
die Kirche wollte euch nicht trauen, weder seine weiße noch
ihre schwarze. Glengrove Place. Dieser Ort. Unser Ort.

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5 Gedanken zu „* S. 12-26 (aus.gelesen)

  1. Diese Erläuterung Gordimers zu den als Kind erworbenen Pflanzenkenntnissen sehe ich so wie Du, ein schönes Beispiel der Autorin um die Differenz zwischen Notwendigkeit und Privileg herauszustellen.

    Zu Deinen Fragen:
    Die Afrikaans sind in die bewachten Anlagen gezogen.

    Über den Satz mit dem Vatersein bin ich auch etwas geholpert, ich habe mir das „hat“ durch ein „hatte“ ersetzt. Steve kümmert sich als moderner Vater um sein Kind, die Generation davor weniger.

    Der zweite von Dir zitierte sehr lange Satz ließ mich auch erst mal zucken. Aber wenn Du vorne anfängst, erschließt er sich. „Was das Haus betraf,…,…,…, war die Miete nicht unbedingt höher, als die Wohnung gewesen war.“

    • was die afrikaans betrifft, war es eigentlich mehr eine rhetorische frage, die darauf hinweisen sollte, daß hier auch jemand weichen musste/wollte…
      den sinn des ersten beispiels kann ich nachvollziehen, den des zweiten nicht. für mich fehlt das ein “der”: … nicht unbedingt höher, als die der wohnung.”

  2. Du hast Recht mit dem fehlenden Bezugswörtchen, aber darf man bei Nobelpreisautoren so pingelig sein? 😉

    Vielleicht kann Bonaventura mal ins Original schauen.

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