Lesen, entdecken, reflektieren.

Nadine Gordimer ist für mich noch fremd, ein literarisches unbekanntes Land, das ich jetzt entdecken werde. Vor vielen Jahren hielt ich ein Buch der südafrikanischen Autorin in der Hand, aber unsere Zeit war noch nicht gekommen. Nun ist sie da. Bevor ich ihren neuen Roman „Keine Zeit wie diese“ aufschlage, möchte ich meine Hochachtung für die Literaturnobelpreisträgerin kundtun. Sie ist 88 Jahre alt, bald 89. Das ist eine absolut bewundernswerte Leistung, was die Autorin in ihrem hohen Alter noch schafft. Kurz frage ich mich, ob sie weiß, dass es dort draußen Menschen gibt, die auf Blogs über Bücher schreiben? Wenn sie es bis jetzt noch nicht wusste, wird dies nun der Vergangenheit angehören. Tausende Kilometer von ihr entfernt, sitzen Menschen, die Bücher über alles lieben, über sie schreiben und jetzt gemeinsam mit dem Berlin Verlag ihr neues Werk entdecken. Ich bin sehr gespannt und öffne das Buch mit leuchtenden Augen, voller Neugier.

Fremd. Da ist dieses Wort wieder. Auf den ersten Seiten balanciere ich unsicher, als wäre ich eine Seiltänzerin, die ihre ersten Tanzschritte auf dem Seil ausprobiert. Ich weiß nicht genau, wie ich schauen soll. Ich lächle zurückhaltend, bin überrascht, und ein bisschen schäme ich mich auch, spüre die Röte in meinem Gesicht, erst heiß, bald glühend. Weil ich kaum etwas über die Geschichte Südafrikas weiß. Sicherlich kenne ich Begriffe wie Rassenkonflikt und Apartheid. Doch sie fliegen wie Wolken über meinem Kopf hinweg und ich kann sie nicht greifen. Während mir das bewusst wird, blitzen plötzlich zwei Sätze auf, die mich treffen, etwas in mir bewegen und die Wolkengedanken auflösen. „Sie war schwarz, er weiß. Das war alles, was zählte.“ Wieder glüht mein Kopf, dieses Mal anders. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht finde ich die Antwort, vielleicht nicht, doch eins macht sich nach den ersten Sätzen bemerkbar: Dieses fremde Land fasziniert mich und zieht mich an.

Nadine Gordimers Sprache fordert meine Aufmerksamkeit und ich ahne, dieses Buch wünscht sich Zeit. Zeit des Lesens, Zeit des Entdeckens und Zeit der Reflektion. Wie schön, dass ich diese Zeit mit anderen hier teilen werde.

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6 Gedanken zu „Lesen, entdecken, reflektieren.

  1. >>Kurz frage ich mich, ob sie weiß, dass es dort draußen Menschen gibt, die auf Blogs über Bücher schreiben?<<

    Ich glaube, daß ist ihr herzlich egal. Jedenfalls äußert sie in dem Artikel, den Du im kleinen Beiheft im Buch findest, daß sie sich absolut nicht dafür interessiert, was Rezensenten schreiben. Ob sie dies bei Lesermeinungen anders hält?

    • Tatsächlich? Nein, das Beiheft habe ich noch nicht studiert, sondern mich auf die Lektüre gestürzt. Jetzt bin ich erstmal geschockt, nein, das ist das falsche Wort. Entzaubert trifft’s auch nicht, aber fast. Nun, wir werden sehen… LG, Klappentexterin.

  2. Nadine Gordimer weiß noch nicht, dass wir hier gemeinsam ihr Buch lesen. Allerdings will ich ihr am Ende des Jahres unsere Arbeit am Buch zukommen zu lassen. (Wenn es so weitergeht, würde die Seitenzahl eurer Kommentare die des Buches weit übersteigen, das wird sie ganz bestimmt interessieren. Vielen Dank für euer Engagement!)

  3. Liebe Klappentexterin

    Wenn du dich mit Südafrika auseinandersetzen willst, dann kann ich dir einen hervorragenden Spielfilm aus dem Jahre 1988 empfehlen „A World apart“ oder auf deutsch „Zwei Welten“. Darin wird die Apartheid deutlich thematisiert. Mit Südafrika wurde ich seit meiner Kindheit immer wieder konfrontiert, nicht zuletzt durch eine Nachbarin, die als Mulattin in diesem Land aufgewachsen ist. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie erleichtert sie war, als sie in die Schweiz kam und sich hier frei bewegen und äussern konnte.

    LG buechermaniac

  4. Liebe buechermaniac,

    hab vielen Dank für deinen Hinweis! Und schön, dass du hier her gekommen bist! Darüber freue ich mich sehr! Ich schau mal, ob ich den Film in meiner Videothek finde. Ein bisschen mehr Hintergrund würde mir das Lesen erleichtern. Ja, das kann ich gut nachvollziehen mit deiner Nachbarin. Hat die Nachbarin noch Kontakt in ihre Heimat? Hast du schon mal etwas von Nadine Gordimer gelesen?

    Viele liebe Grüße,
    Klappentexterin

    • Die Nachbarin wird sicher noch zu ihren Angehörigen Kontakt haben, aber leider habe ich sie längst aus den Augen verloren. Von Nadine Gordimer steht ein Buch im Regal, aber ich habe echt keine Ahnung mehr, ob ich es auch gelesen habe.

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