Abschnitt 1: S. 9 – 11 (aus.gelesen)

I.

Nadine Gordimer ist die Grand Old Lady der südafrikanischen Literatur, ausgezeichnet mit diversen Preisen, allen voran dem Literturnobelpreis des Jahres 1991. Ihr Thema ist ihre Heimat, Südafrika, das jahrzehntelang gespalten war, nicht geographisch, sondern politisch, kulturell und gesellschaftlich: die Rassentrennung, Apartheit, erklärte bis 1994 alle Menschen anderer Hautfarbe als weiß zu Bürgern niederer Ordnung mit stark eingeschränkten Rechten, oftmals der Willkür der Behörden ausgeliefert. Selbstverständlich waren auch Beziehungen zwischen den Rassen unerwünscht oder sogar wie Mischehen verboten..

II.

… in einer solchen verbotenen Mischehe leben Rebecca Jabulile und „er“ in Glengrove Place, einem Ort, von dem wir an dieser Stelle noch nicht viel mehr erfahren, als daß es ihn gibt und daß die Bedeutung des Namens nicht den realen Gegebenheiten entspricht.

Sie ist schwarz.
Er ist weiß.

Sie ist Tochter aus christlichem Haus, der erste Vorname deutet es an, er Sohn eines (was für sich genommen nicht selten ist) nichtjüdischen Christen und einer Jüdin, mithin, da das Jüdischsein über die Mutter weitergegeben wird, auch er ein Jude.

Sie leben in einer Wohnung zusammen, ein Vermieter hat sich gefunden, der sich an der illegalen Ehe nicht stört. Sicher, nicht nur die Menschenfreude hat ihn zur Aufnahme bewogen, sondern auch der finanzielle Aspekt, aber immerhin….

Notizen:

– das Thema ist angerissen: schwarz und weiß. Das Leben in der Illegalität, der Widerstand gegen das Regime der Apartheid. Die familiären Hintergründe der beiden Protagonisten werden kurz erwähnt.

.. nichtjüdischer Christ: eine auffallende Formulierung, die sofort die Frage provoziert, ob es auch jüdische Christen gibt…

Advertisements

3 Gedanken zu „Abschnitt 1: S. 9 – 11 (aus.gelesen)

  1. Über den nichtjüdischen Christen habe ich doch glatt hinweg gelesen. Ihn erwähnt allerdings schon die Bibel. Eine Interpretation überlasse ich lieber anderen.

    • deuten kann ich es auch nicht. der begriff bezeichnet wohl in den anfängen des christentums „heidenchristen“, also christen, die nicht aus dem judentum stammen. was der begriff jedoch auf einen heutigen menschen angewendet bedeuten könnte, verschließt sich mir….

      • Das lese ich genauso: im Gegensatz zu jenen Juden, die durch den Glauben an Jesus zum Christentum gekommen sind. Im Original steht übrigens „gentile“, dies wiederum eine mögliche englische Übersetzung des hebräischen „goy“.
        Vielleicht könnte man “ Sein Vater war nichtjüdischer, weltlicher, nominell praktizierender Christ, seine Mutter Jüdin“ auch in den Kontext des vorhergehenden Satzes stellen: „in nichtfarblichen Identitätsbegriffen gemessen, ist seine Mischung eigentlich recht kompliziert.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s